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geboren: 1922
gestorben:
höchstes Amt: Bundesminister für
wirtschaftliche Zusammenarbeit
Parteizugehörigkeit:
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SPD |
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- 1922
- 18. März: Egon Karl-Heinz Bahr wird in
Treffurt/Werra in Thüringen als einziges Kind eines Lehrers
geboren.
- 1940
- Bahr wird als Musikstudent abgelehnt, da er
eine jüdische Großmutter hat.
Er absolviert eine Lehre als Industriekaufmann.
- 1942-1944
- Soldat im Zweiten Weltkrieg.
- 1944/1945
- Arbeit bei Rheinmetall-Borsig als
Industriekaufmann.
- 1945
- Bahr arbeitet als Journalist in Berlin.
Zunächst ist er Reporter bei der "Berliner Zeitung",
anschließend bei der "Allgemeinen Zeitung" aus der später die
"Neue Zeitung" wird.
- 1948-1950
- Korrespondent des "Tagesspiegel" in Hamburg und
Bonn.
- 1950-1960
- Chefkommentator des RIAS und 1953/54 Leiter des
Bonner Büros des RIAS.
- 1956
- Eintritt in die SPD.
- 1960-1966
- Der Regierende Bürgermeister von West-Berlin,
Willy Brandt, beruft Bahr an die Spitze des Presse- und
Informationsamtes des Landes Berlin.
- 1961-1963
- Gemeinsam mit Willy Brandt entwickelt Bahr
außenpolitische Leitgedanken, die die Basis für die spätere Neue
Ostpolitik der Bundesrepublik Deutschland bilden. Bahr wird zum
Architekten der Ostverträge sowie Vordenker und Stratege der
Beendigung des Kalten Krieges.
In diesem Zusammenhang formuliert Bahr im Juli 1963 in einer Rede
in der Evangelischen Akademie Tutzingen die neue Konzeption der
deutschen Ostpolitik unter der Devise "Wandel durch Annäherung".
- 1966-1969
- Ministerialdirektor im Auswärtigen Amt sowie
Sonderbotschafter und Leiter des Planungsstabs des Auswärtigen
Amts.
- 1969-1972
- Staatssekretär im Bundeskanzleramt bei Brandt.
- 1970
- Januar: Bahr führt in Moskau mit Außenminister
Andrei A. Gromyko (1909-1989) die ersten Gespräche über einen
Gewaltverzichtsvertrag zwischen der Sowjetunion und der
Bundesrepublik. Die Gespräche dienen als Grundlage für den am
12. August 1970 abgeschlossenen Moskauer Vertrag.
November: Bahr beginnt Gespräche mit dem Beauftragten der DDR,
Michael Kohl, über die Verbesserung der Beziehungen zwischen
beiden deutschen Staaten.
- 1971
- 17. Dezember: Bahr und Michael Kohl
unterzeichnen in Bonn das Transitabkommen, das den Personen- und
Güterverkehr zwischen der Bundesrepublik Deutschland und
West-Berlin regelt. Es ist die erste deutsch-deutsche
Vereinbarung auf Regierungsebene.
- 1972-1990
- Mitglied des Deutschen Bundestages.
- 1972-1974
- Bundesbevollmächtigter für Berlin und
Bundesminister für besondere Aufgaben. In dieser Funktion wird
Bahr zum ständigen Berater des Bundeskanzlers Brandt in allen
Fragen der Ost- und Deutschlandpolitik.
- 1972
- 26. Mai: Bahr und Michael Kohl unterzeichnen in
Ost-Berlin einen Verkehrsvertrag zwischen der Bundesrepublik und
der DDR.
21. Dezember: Bahr und Michael Kohl unterzeichnen den
Grundlagenvertrag: Darin wird die Anerkennung der
Vier-Mächte-Verantwortung, die Unverletzlichkeit der Grenzen,
die Beschränkung der Hoheitsgewalt auf das jeweilige
Staatsgebiet, der Austausch "ständiger Vertreter", die
Beibehaltung des innerdeutschen Handels und der Antrag beider
Staaten auf Aufnahme in die UNO festgeschrieben.
- 1973
- Verleihung des Großen Bundesverdienstkreuzes.
- 1974-1976
- Bundesminister für wirtschaftliche
Zusammenarbeit im Kabinett von Helmut Schmidt. 1975 präsentiert
Bahr in dieser Funktion seine Ansichten über den Stellenwert der
Entwicklungspolitik als Faktor weltweiter Friedenspolitik und
stellt die Hilfe für die ärmsten Länder in den Vordergrund der
Bemühungen.
- 1975
- Verleihung des Großen Bundesverdienstkreuzes
mit Stern und Schulterband.
- 1976
- Bahr wird Mitglied des Parteipräsidiums der
SPD.
Auszeichnung mit dem Theodor-Heuss-Preis.
- 1976-1981
- Bundesgeschäftsführer der SPD. Bahr vertritt in
dieser Funktion eine Abgrenzungspolitik gegenüber der äußersten
Parteilinken. In außenpolitischen Fragen formuliert er
Vorbehalte gegen den NATO-Doppelbeschluss und setzt sich damit
von der Politik des Bundeskanzlers Schmidt ab.
- 1980-1990
- Vorsitzender des Unterausschusses für
Abrüstungs- und Rüstungskontrolle des Bundestages.
- 1981
- Juni: Bahr äußert bei einem Besuch in Moskau
Zweifel am Willen der USA zu Verhandlungen über eine Begrenzung
der eurostrategischen Waffen.
- 1982
- Bahr fordert eine stärkere Mitbestimmung der
Bundesrepublik Deutschland bei den Entscheidungen über die
Stationierung neuer Mittelstreckenraketen. Er tritt für die
Beschränkung aller Atomwaffen auf das Territorium ihrer
Besitzerstaaten bei gleichzeitiger Herstellung eines
Gleichgewichts konventioneller Waffen in Europa ein.
Mitglied der internationalen Abrüstungskommission unter dem
schwedischen Ministerpräsidenten Olof Palme (1927-1986), die in
ihrem Abschlußbericht die Schaffung einer von taktischen
atomaren Gefechtsfeldwaffen freie Zone in Europa befürwortet.
Veröffentlichung der Schrift "Was wird aus den Deutschen? Fragen
und Antworten".
Verleihung des Gustav-Heinemann-Bürgerpreises.
- 1983
- August: Bei einem Treffen mit dem
DDR-Staatsratsvorsitzenden Erich Honecker vertritt Bahr die
Ansicht, die UdSSR müsse bei einer Verwirklichung der westlichen
Stationierungspläne für US-Mittelstreckenwaffen entsprechende
Gegenmaßnahmen auf dem Gebiet der DDR unternehmen.
- 1984
- September: Bahr äußert sich positiv über drei
der vier sogenannten Geraer-Forderungen des Staats- und
Parteichefs Honecker. So spricht er sich dafür aus, die
Elbgrenze an der Strommitte "festzustellen", die
Erfassungsstelle für Gewaltverbrechen der DDR in Salzgitter
aufzulösen und die Respektierung der DDR-Staatsbürgerschaft in
einem Vertrag festzulegen.
- 1984-1994
- Direktor des Instituts für Friedensforschung an
der Universität Hamburg.
- 1986
- Mitherausgeber der drei Bände "Gemeinsame
Sicherheit".
- 1987
- Mai: Der Parteivorstand der SPD beruft Bahr zum
neuen Vorsitzenden der Sicherheitspolitischen Kommission der
SPD.
- 1988
- Veröffentlichung der Schrift "Zum europäischen
Frieden. Eine Antwort auf Gorbatschow".
- 1990
- 5. Juli: Bahr wird Berater des DDR-Abrüstungs-
und Verteidigungsministers Rainer Eppelmann.
In der Zeitung "Frankfurter Rundschau" äußert er die Ansicht, dass
die Zugehörigkeit Gesamtdeutschlands zur NATO keine dauerhafte
sicherheitspolitische Lösung sei.
Bei der ersten gesamtdeutschen Bundestagswahl tritt Bahr nicht
mehr als Kandidat an.
Veröffentlichung der Schrift "Sicherheit für und vor Deutschland".
Verleihung des Ehrentitels "Professor des Hamburger Senats".
- 1991
- Juni: Bahr schlägt die Gründung eines
"Deutschen Friedenskorps" vor, dessen Dienst dem Wehrdienst
gleichgestellt sein soll.
August: Er fordert einen Wirtschaftsboykott des
auseinanderfallenden Staates Jugoslawiens.
- 1992
- Bahr befürwortet Kampfeinsätze der Bundeswehr
im internationalen Rahmen unter UNO-Kommando.
- 1993
- Bahr tritt für die Osterweiterung der
Europäischen Gemeinschaft ein.
- 1994
- Auszeichnung mit der Mannheimer Medaille der IG
Metall.
- 1996
- Veröffentlichung seiner Memoiren unter dem
Titel "Zu meiner Zeit".
- 1997
- Der "Willy-Brandt-Kreis" wird in Berlin von
Günter Grass und Bahr ins Leben gerufen.
- 1998
- Veröffentlichung der Streitschrift zu Macht-,
Sicherheits- und Außenpolitik "Deutsche Interessen".
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