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| Biografie von
Wolfgang Thierse: |
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geboren: 1943
gestorben:
Amt:
Bundestagspräsident.
Parteizugehörigkeit:
►
SPD |
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- 1943
- 22. Oktober: Wolfgang Thierse wird als Sohn
eines Rechtsanwalts in Breslau geboren. Nach der Vertreibung aus
Breslau siedelt sich die Familie im thüringischen Eisfeld an,
dort besucht Thierse die Oberschule. Im Anschluss an sein Abitur
erlernt er den Beruf des Schriftsetzers beim "Thüringer
Tageblatt" in Weimar.
- 1964-1975
- Studium der Kulturwissenschaften und
Germanistik an der Humboldt-Universität Berlin. In dieser Zeit
wird er Mitglied der katholischen Studentengemeinde.
Nach Abschluss des Studiums arbeitet er als Assistent an der
Sektion Kulturtheorie/Ästhetik der Humboldt-Universität.
- 1975/76
- Als Mitarbeiter der Abteilung Bildende Kunst
des Kultusministeriums der DDR befasst sich Thierse vor allem
mit architekturbezogener Kunst.
- 1976
- Nachdem sich Thierse am Protest gegen die
Ausbürgerung von Wolf Biermann beteiligt hat, wird er aus dem
Staatsdienst entlassen.
- 1977-1990
- Wissenschaftlicher Mitarbeiter im
Zentralinstitut für Literaturgeschichte der Akademie der
Wissenschaften (AdW).
Thierse verfasst eine Arbeit zur "Krise des Werkbegriffs".
Mitarbeit am "Historischen Wörterbuch ästhetischer Grundbegriffe".
- 1989
- Oktober: Thierse wird Mitglied des Neuen
Forums.
- 1990
- Januar: Mitglied der SPD der DDR und
Vorsitzender des Bezirksparteirates in Berlin.
März-Oktober: Abgeordneter der Volkskammer und zuerst
stellvertretender Vorsitzender, ab August Vorsitzender der
SPD-Fraktion. Als Abgeordneter ist er Mitglied im Kultur- und
Medienausschuss.
Juni-September: Parteivorsitzender der SPD in der DDR.
September: Nach dem Zusammenschluss der Sozialdemokraten der
Bundesrepublik Deutschland und der DDR wird Thierse zum
stellvertretenden Vorsitzenden der Partei gewählt.
In der Frage der Wiedervereinigung beider deutscher Staaten rät
Thierse zunächst zu vorsichtigen Schritten, doch die politische
Entwicklung überzeugt auch ihn von der Notwendigkeit eines
raschen Vorgehens. Er setzt sich besonders für die
Rechtsangleichung und die Modernisierung des Grundgesetzes ein.
Dabei fordert er als Staatsziele unter anderem das Recht auf
Arbeit und einen hohen Stellenwert für den Umweltschutz.
Oktober: Thierse wird Mitglied des Bundestages.
Dezember: Bei den ersten gesamtdeutschen Bundestagswahlen erhält
Thierse ein Direktmandat im Wahlkreis Berlin-Mitte/Prenzlauer
Berg. Im Bundestag ist er ordentliches Mitglied im Wahlausschuss
und im Gemeinsamen Ausschuss. Er ist stellvertretendes Mitglied
im Ausschuss für Bildung, Wissenschaft, Forschung, Technologie
und Technikfolgenabschätzung.
- 1991
- Juni: In der Hauptstadtdebatte setzt sich
Thierse vehement für den Umzug des Bundestages nach Berlin ein.
September: Thierse wird Vorsitzender der SPD-Grundwertekommission.
Thierse schlägt ein politisch-moralisches "Tribunal" über die
DDR-Vergangenheit vor. Darunter versteht er keine
"Aburteilungsvorgänge" sondern "öffentliche, strenge Formen des
Gesprächs" über die Mechanismen systemstabilisierenden
Verhaltens.
- 1992
- Veröffentlichung seiner Schrift "Mit eigener
Stimme sprechen", Mitautor der Abhandlung "Ein Manifest. Weil
das Land sich ändern muss" und Mitherausgeber der Schrift
"Deutsche Ansichten: die Republik im Übergang".
Oktober: Thierse äußert sich in der Wochenzeitung "Die Zeit" über
die Wiedervereinigung mit den Worten "Meine größte Enttäuschung
rührt aus der Massivität des Versuchs, das Bisherige der Bonner
Republik bruchlos fortzusetzen".
- 1994
- Thierse wird als Spitzenkandidat der Berliner
SPD-Liste für die Bundestagswahl aufgestellt. Er bemüht sich
aber auch um ein Direktmandat im Wahlkreis Berlin
Mitte/Prenzlauer Berg. Die Wahl verliert er gegen den
PDS-Kandidaten Stefan Heym.
Der Förderkreis Politische Rhetorik zeichnet ihn als "Redner des
Jahres 1993" mit dem Goldenen Mikrofon aus.
- 1995
- Thierse wird als stellvertretender
Fraktionsvorsitzender und als stellvertretender
Parteivorsitzender der SPD bestätigt.
- 1994-1998
- Als Mitglied des Bundestages setzt sich Thierse
in seiner zweiten Wahlperiode vor allem gegen die Zerschlagung
ausgewogener Sozialstandards und die Reduzierung der
Transferleistungen nach Ostdeutschland, sowie für eine Stärkung
der Zivilgesellschaft im Osten ein.
- 1997
- Mitautor eines Papiers der
SPD-Grundwertekommission über Chancen und Risiken der
Globalisierung. Darin setzt sich Thierse für "starke politische
Steuerungen eines global aus der Kontrolle geratenen Marktes"
ein.
Herausgeber der Schrift "Ist die Politik noch zu retten?".
- 1998
- 26. Oktober: Der Bundestag wählt Thierse als
Nachfolger von Rita Süssmuth zum neuen Bundestagspräsidenten.
Thierse äußert bei seiner Amtseinführung, dass seine Wahl mehr
als eine Geste sei, da nun erstmals ein Bürger der früheren DDR
das zweithöchste Amt im Staat bekleide.
- 1999
- Januar: Thierse wendet sich gegen einen
Vorschlag von Friedrich Schorlemmer, eine Amnestie für
DDR-Straftäter zu erlassen. Seiner Ansicht nach würde ein
Straferlass den Einigungsprozess nicht fördern.
9. November: Neben dem früheren sowjetischen Präsidenten Michail
Gorbatschow, dem früheren amerikanischen Präsidenten George
Bush, dem Bundeskanzler Gerhard Schröder und dessen Vorgänger
Helmut Kohl spricht Thierse anlässlich des zehnten Jahrestages
des Mauerfalls vor dem Deutschen Bundestag.
17. November: Thierse eröffnet während eines Israel-Besuchs in
Jerusalem die Ausstellung "Von Dürer bis Beuys" im
Israel-Museum.
Dezember: Thierse wird als stellvertretender Parteivorsitzender
der SPD bestätigt.
Er übernimmt den Vorsitz des Kuratoriums der "Stiftung Denkmal für
die ermordeten Juden Europas".
- 2000
- Februar: In seiner Funktion als
Bundestagspräsident verpflichtet Thierse die CDU zur Rückzahlung
von 41,3 Millionen DM an die Bundeskasse. Die CDU hatte in ihrem
Rechenschaftsbericht für 1998 das Vermögen nicht aufgeführt, das
die hessische CDU heimlich ins Ausland geschafft hatte. Damit
habe die CDU gegen das Parteiengesetz verstoßen, sodass die
bereits gezahlten Gelder zurückgezahlt werden müssten.
Juli: Thierse verhängt gegen die CDU eine weitere Geldstrafe in
Höhe von 6,5 Millionen DM aufgrund der von dem früheren
Bundeskanzler Kohl zwischen 1993 und 1998 angenommen, anonymen
Spenden.
Herausgeber der Schrift "Religion ist keine Privatsache".
- 2001
- Auszeichnung mit dem Ignatz-Bubis-Preis.
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- 2002
- Thierse gewinnt erneut das Direktmandat in
Berlin-Pankow. Wiederwahl als Bundestagspräsident.
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