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| Biografie
Richard von Weizsäcker: |
1920
15. April: Richard von Weizsäcker wird in
Stuttgart als viertes Kind des Diplomaten Ernst von Weizsäcker und
Marianne von Weizsäcker, geb. von Graevenitz (1889-1983), geboren.
Seine Kindheit und Jugend verbringt Weizsäcker aufgrund des
Diplomatenberufs des Vaters in der Schweiz, in Dänemark und in
Berlin.
1937/38
Sprachstudien und Besuch von Geschichts- und
Philosophievorlesungen in Oxford/England und Grenoble/Frankreich.
Anschließend wird Weizsäcker zum Reichsarbeitsdienst eingezogen.
1938/39
Weizsäcker tritt in den Militärdienst ein. Von
Oktober bis August erhält er seine Ausbildung im Potsdamer
Infanterieregiment 9, wo sein Bruder Heinrich als Leutnant dient.
1939-1945
Weizsäcker ist Soldat im Zweiten Weltkrieg,
zuletzt Hauptmann der Reserve in einem Infanterieregiment. Unter
anderem nimmt er am Überfall auf Polen im September 1939 und am
Krieg gegen die Sowjetunion 1941 bis 1945 teil. Im April 1945 wird
er in Ostpreußen verletzt und zurück nach Potsdam transportiert.
1945-1950
Studium der Rechtswissenschaften und Geschichte
in Göttingen.
1948/49
Als Assistent des Rechtsanwalts Hellmut Becker
wird er im Wilhelmstraßen-Prozess (gegen die Hauptverantwortlichen
im Auswärtigen Amt), im Rahmen der Nürnberger
Kriegsverbrecherprozesse, Hilfsverteidiger seines Vaters Ernst von
Weizsäcker. Ernst von Weizsäcker wird zu sieben Jahren Haft
verurteilt und 1950 vorzeitig entlassen.
1950-1953
Nach dem Referendarexamen im Sommer 1950 arbeitet
Weizsäcker als wissenschaftliche Hilfskraft beim Bergbau der
Mannesmann AG in Gelsenkirchen.
1953
Assessorexamen in Düsseldorf.
Heirat mit Marianne von Kretschmann. Aus der Ehe gehen vier Kinder
hervor.
1953-1958
Tätigkeit bei der Firma Mannesmann AG Düsseldorf:
Zuerst als Mitglied der Rechtsabteilung, seit 1957 als Leiter der
wirtschaftspolitischen Abteilung.
1954
Eintritt in die CDU.
1955
Juli: Promotion zum Dr. jur. in Göttingen mit
einer Dissertation über Vereinsrecht mit dem Titel "Der faktische
Verein".
1958-1962
Geschäftsleiter des Bankhauses Waldthausen & Co
in Essen und Düsseldorf.
1962-1966
Geschäftsführender Gesellschafter des
chemisch-pharmazeutischen Unternehmens C. H. Böhringer in Ingelheim
am Rhein.
seit 1962
Mitglied des Präsidiums des Deutschen
Evangelischen Kirchentages.
1964-1970
Präsident des Deutschen Evangelischen
Kirchentages.
1965
Im Anschluss an die Bundestagswahlen 1965
schlägt der rheinland-pfälzische
CDU-Fraktionsvorsitzende Helmut Kohl Weizsäcker als Kandidaten für
einen Sitz im Bundestag vor. Weizsäcker lehnt die Kandidatur ab, da
sich ein politisches Mandat nicht mit seiner Funktion als Präsident
des Deutschen Evangelischen Kirchentages vereinbaren lässt.
1966-1984
Auf Vorschlag von Helmut Kohl wird Weizsäcker
Mitglied des Bundesvorstandes der CDU.
1968
November: Weizsäcker unterliegt im
Wahlmänner-Gremium der CDU/CSU gegen Gerhard Schröder bei der
Bewerbung um die Kandidatur zur Bundespräsidentschaft.
1968-1975
Sitz und Stimme im Zentralausschuss des
Ökumenischen Rates der Kirchen.
1969-1981
Mitglied des Deutschen Bundestages.
1969-1984
Mitglied der Synode und des Rates der
Evangelischen Kirche in Deutschland.
1971-1978
Erarbeitung des neuen CDU-Grundsatzprogramms
unter Weizsäckers Leitung.
1972
Während der Ratifizierungsdebatten über die
Ostverträge hält Weizsäcker zwei viel beachtete Reden im Bundestag,
die dazu beitragen, dass die CDU/CSU-Opposition durch
Stimmenthaltung die Ratifizierung ermöglicht. Weizsäcker setzt sich
vor allem für den Abschluss des Warschauer Vertrages ein.
1973
Mai: Kandidatur für den Vorsitz der
CDU/CSU-Bundestagsfraktion. Niederlage gegen Karl Carstens.
Anschließend bis 1979 Stellvertretender Vorsitzender der
CDU/CSU-Fraktion.
Weizsäcker nimmt an der ersten Reise einer Parlamentarierdelegation
in die Sowjetunion teil. Angeführt wird die Gruppe von der
Bundestagspräsidentin Annemarie Renger (SPD). Außerdem nehmen
Herbert Wehner (SPD) , Wolfgang Mischnik (FDP) und Richard Stücklen
(CSU) teil.
1974
Mai: Weizsäcker kandidiert erfolglos gegen Walter
Scheel (FDP) für das Amt des Bundespräsidenten.
1979
18. März: Weizsäcker tritt als Spitzenkandidat
der CDU in West-Berlin an. Obwohl die CDU 44,4 % der Stimmen erhält,
scheitert der Versuch Regierender Bürgermeister von Berlin zu werden
am Fortbestand der Berliner sozial-liberalen Koalition.
1979-1981
Vizepräsident des Deutschen Bundestages.
1981-1984
Regierenden Bürgermeister von West-Berlin.
Weizsäcker steht zunächst einem CDU-Minderheitssenat vor, bis nach
dem Regierungswechsel in Bonn 1982 auch in Berlin die Koalition mit
der FDP möglich wird.
1983
September: Weizsäcker reist offiziell in die DDR.
In Ost-Berlin wird er von Erich Honecker empfangen und spricht in
seiner Eigenschaft als Ratsmitglied der Evangelischen Kirche in
Deutschland in der Wittenberger Stadtkirche.
28. November: Auf Drängen des bayerischen Ministerpräsidenten
Franz-Josef Strauß gibt Bundeskanzler Helmut Kohl die Kandidatur
Weizsäckers für das Bundespräsidentenamt bekannt.
Veröffentlichung der Schrift "Die deutsche Geschichte geht weiter".
1984-1994
Weizsäcker ist als Nachfolger von Karl Carstens
der 6. Bundespräsident der Bundesrepublik Deutschland.
Weizsäcker sieht nach eigenen Angaben seine Hauptaufgabe nicht in
bloßen Repräsentationspflichten, sondern in der Begegnung mit
Menschen; dabei sucht er besonders den Kontakt zur Jugend. Auch
gegenüber Randgruppen der Gesellschaft oder harten Kritikern des
Staates zeigt Weizsäcker keine Berührungsängste.
Auf seinen Reisen kümmert sich Weizsäcker besonders um die Probleme
der Entwicklungsländer; unter anderem ist er Schirmherr der
Welthungerhilfe. Außerdem beschäftigt er sich mit der weltweiten
Arbeitslosigkeit, dem Umweltschutz und der Unterbeschäftigung.
Weizsäcker setzt sich für eine Aussöhnung mit dem Ostblock ein, regt
Gespräche mit der DDR an und plädiert dafür die Reformprozesse in
der von Staats- und Parteichef Michail Gorbatschow geführten
Sowjetunion ernstzunehmen.
1985
Februar: Staatsbesuche in Jordanien und Ägypten.
März: Staatsbesuch in Finnland.
8. Mai: In seiner Rede zum 40. Jahrestag der Kapitulation vom 8. Mai
1945 setzt Weizsäcker Zeichen für einen verantwortungsbewussten
Umgang mit der NS-Vergangenheit. Die Rede findet im In- und Ausland
große Beachtung und Anerkennung.
Mai/Juni: Staatsbesuch in den Niederlanden.
Oktober: Staatsbesuch in Israel. Verleihung der Ehrendoktorwürde des
Weizmann-Instituts in Rehovot.
1986
Staatsbesuche führen ihn nach Birma, Bangladesch,
Malaysia, Österreich, England und Norwegen.
Auszeichnung mit dem Goldenen Sportabzeichen.
1987
Weizsäcker reist zu Staatsbesuchen nach
Argentinien, Bolivien, Guatemala, in der Schweiz, nach Griechenland
und in der UdSSR.
1988
Staatsbesuche in Mali, Nigeria, Simbabwe,
Somalia, Italien, Schweden, Luxemburg und in Bulgarien.
Auszeichnung mit der Ehrendoktorwürde der Universität Oxford.
Veröffentlichung der Schrift "Die politische Kraft der Kultur".
1989
Januar: Weizsäcker gibt einen großen Empfang aus
Anlass des 75. Geburtstags des SPD- Ehrenvorsitzenden und ehemaligen
Bundeskanzlers Willy Brandt und würdigt ihn als Menschen und
Staatsmann von exemplarischem Format.
23. Mai: Aufgrund seines hohen Ansehens und seiner Autorität ist
Weizsäcker bei der Bundespräsidentenwahl einziger Kandidat und wird
mit großer Mehrheit - er erhält 881 von 1022 gültigen Stimmen -
wiedergewählt.
Staatsbesuche führen ihn in diesem Jahr nach Spanien, Dänemark, in
die USA und nach Marokko.
November: Nach der Öffnung der innerdeutschen Grenze und dem
beginnenden politischen Wandel in Osteuropa mahnt Weizsäcker zur
Behutsamkeit beim Zusammenwachsen von DDR und Bundesrepublik.
1990
Mai: Weizsäckers Staatsbesuch in Polen ist nach
eigenen Aussagen die wichtigste Reise seiner Amtszeit. In einer Rede
wirbt er dafür, dass "wir, Deutsche und Polen, in größeren
Zeiträumen denken, die Zeichen der Zeit erkennen und sie zur Maxime
unseres gemeinsamen Handelns machen".
29. Juni: In seiner Rede anlässlich der Verleihung der
Ehrenbürgerwürde von Gesamt-Berlin spricht sich Weizsäcker
eindringlich für Berlin als Hauptstadt eines vereinten Deutschland
aus.
Verleihung der Ehrenbürgerwürde der Stadt Stuttgart.
3. Oktober: Beim Festakt zur Wiedervereinigung Deutschlands in
Berlin prägt Weizsäcker die Worte "Sich zu vereinen, heißt teilen
lernen".
November: Gedenkbesuch in Coventry/England am 50. Jahrestag des
deutschen Luftangriffs. Weitere Staatsbesuche führen Weizsäcker in
die Tschechoslowakei, nach Portugal, Kanada und nach Malta.
1991
Dezember: Auszeichnung mit dem
Heinrich-Heine-Preis der Stadt Düsseldorf. Mit dem Preisgeld
unterstützt Weizsäcker Bürgerinitiativen in Leipzig, Berlin-Pankow
und Duisburg, die sich um eine Verbesserung des Zusammenlebens von
Ausländern und Deutschen bemühen.
Weizsäcker reist als Bundespräsident nach Südkorea, Indien, Italien
sowie in die Tschechische und Slowakische Föderative Republik
1992
Juni: In einer Rede vor dem Bundesverband der
deutschen Industrie räumt Weizsäcker Fehler der Politik bei der
Finanzierung der deutschen Einheit ein und verlangt gleichzeitig
eine Offenlegung der Kosten des Vereinigungsprozesses. In diesem
Zusammenhang kritisiert er auch den Zustand der Parteien und wirft
der "Politikerschicht" vor, sie erliege einer "Machtversessenheit in
bezug auf Wahlkampferfolge". Politiker aller Parteien reagieren
empört auf diesen "öffentlichen Tadel" des Bundespräsidenten.
Staatsbesuche führen Weizsäcker in die USA, nach Tansania und nach
Mexiko.
1993
März: Weizsäcker verkündet seinen Entschluss, ab
dem Jahreswechsel 1993/94 den wesentlichen Teil der Amtsgeschäfte
von der deutschen Hauptstadt Berlin aus zu führen.
Staatsbesuche in Tunesien, in den USA, in Estland, Thailand,
Neuseeland, Australien, Litauen, Lettland, Chile und Ecuador.
1994
Januar: Erster Neujahrsempfang im Berliner
Amtssitz Schloss Bellevue.
Juni: Verleihung der Ehrendoktorwürde der Universität Cambridge.
Seine letzten Staatsbesuche führen ihn in den Vatikan, nach
Frankreich, England und Polen. Seine letzte Rede als Bundespräsident
nutzt Weizsäcker um in deutlichen Worten zur Abwehr des
Rechtsextremismus aufzurufen und die "Schändlichen Gewalttaten"
gegen Ausländer anzuprangern.
30. Juni: Übergabe des Bundespräsidentenamtes an Roman Herzog.
Juli: Nach dem Ausscheiden aus dem Amt des Bundespräsidenten
übernimmt Weizsäcker den Vorsitz im Bergedorfer Gesprächskreis der
Hamburger Körber-Stiftung und zum Herbst den Kuratoriumsvorsitz der
Theodor-Heuss-Stiftung.
November: Verleihung des Leo-Baeck-Preises durch den Zentralrat der
Juden in Deutschland.
1995
März: Auszeichnung mit der
Buber-Rosenzweig-Medaille des Deutschen Koordinierungsrates der
Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit.
Mai: Weizsäcker und der tschechische Präsident Vaclav Havel werden
in Barcelona/Spanien mit dem internationalen Katalonienpreis geehrt.
Juli: Die UNO veröffentlicht einen Bericht, der von einer
zwölfköpfigen Arbeitsgruppe im Auftrag des Generalsekretärs Boutros
Ghali (geb. 1922) zur Reform der Weltorganisation erstellt wurde.
Darin spricht sich Weizsäcker als Kommissionsvorsitzender der
Arbeitsgruppe unter anderem gegen einen ständigen Sitz der
Bundesrepublik im Sicherheitsrat aus.
Dezember: Weizsäcker wird von der Prager Karls-Universität mit dem
Ehrendoktor der Rechtswissenschaften ausgezeichnet.
1996
Weizsäcker übernimmt im Sommersemester die
Heinrich-Heine-Professur der Universität Düsseldorf. Sie umfasst
vier öffentliche Vorlesungen zum Thema "Europäische
Entspannungspolitik in Vergangenheit und Gegenwart".
Oktober: Verleihung des Kunstpreises zur deutsch-tschechischen
Verständigung in Dresden.
1997
April: Zusammen mit Lech Walesa (geb. 1943) und
George Bush (geb. 1924) wird Weizsäcker zum Ehrenbürger der Stadt
Gdansk (Danzig) ernannt.
Juni: Weizsäcker hält die Laudatio für die Auszeichnung des früheren
sowjetischen Staats- und Parteichefs Michail Gorbatschow mit dem
"Preis für planetarisches Bewußtsein" vom "Club of Rome".
Veröffentlichung seiner Erinnerungen unter dem Titel "Vier Zeiten".
1998
April: Auszeichnung mit dem erstmals verliehenen
Humanismus-Preis des Deutschen Altphilologenverbandes in Heidelberg.
Weizsäcker ruft zu mehr Sachlichkeit im Wahlkampf auf und nimmt
Stellung zur Auseinandersetzung mit der PDS. Einerseits betont er,
daß wichtige Führungsmitglieder der Partei positive Erklärungen zur
Demokratie, zur Einheit und zum Markt abgegeben hätten. Andererseits
kritisiert er, dass es immer noch an einer klaren Distanzierung zum
SED-Unrecht fehle.
seit 2002
Schirmherr der "Perspektive
Deutschland", einer Online-Meinungsumfrage-Initiative.
Mitglied des "Club of Rome".
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