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Betriebssysteme
CP/M
CP/M (Control Programm for
Microcomputer) war das erste kommerzielle 8-Bit Betriebssystem der
EDV-Geschichte. Seine Entwicklungsgeschichte überschneidet sich ab 1981 sich mit
dem bekannten MS-DOS von Microsoft. Vor dieser Zeit war es das mit großem
Abstand am weitesten verbreitete OS für Mikrocomputer. Im Zusammenhang mit
diesem legendären Betriebssystem ist vor allem ein Mann zu nennen: Dr. Gary
Kildall.
Der Informatiker Dr. Gary
Kildall hatte bereits Programme für den Intel 4004/8008 entwickelt und war
1973
bei der Präsentation des neuen Intel 8080 (einem neuen 8-Bit Mikroprozessor)
anwesend, da er zu dieser Zeit für Intel als Berater tätig war. Er erkannte die
neuen professionellen Einsatzmöglichkeiten, die sich mit dem Erscheinen des 8080
eröffneten. Kildall machte den Intel Managern den Vorschlag, die
Mainframe-Programmiersprache PL/I (Programming Language/One) als Compiler auf
den 8080 umzusetzen. Die so entstandene Programmiersprache PL/M (Programming
Language for Microprcessors) wurde von Tom Rolander, ebenfalls einem Intel
Berater, dann für das Intel Entwicklungssystem MDS-800 entwickelt. Später
arbeitete Tom übrigens dann ebenfalls für Digital Research wo er zusammen Gary
Kildall und Dorothy McEwen (die spätere Frau von Gary Kildall) das CP/M und die
Tools dazu weiter ausprogrammierte.
Auf Basis von PL/M wollte
er ein echtes Betriebssystem für den 8080 entwickeln. Da die Firma Shugart
bereits Floppy Laufwerke in Serie produzieren konnte (IBM hatte die Technik
erfunden) ging der Visionär Kildall davon aus, das es bald komplette
Computersysteme in einer auch für Einzelanwender erschwinglichen Preisklasse
geben könnte. Daher sollte eine entsprechende Unterstützung in Form eines
Dateisystems in seinem zukünftigen Betriebssystem vorhanden sein.
Ende 1973 war die
erste Version von CP/M fertig, ausschließlich entwickelt von Gary Kildall selbst
auf einer DEC PDP-9, die einen 8080 emulierte. Es beanspruchte nur 3K Platz im
Hauptspeicher eines Rechners und unterstützte Diskettenlaufwerke von IBM. Der
Verkaufserfolg von CP/M 1.3 war Anfangs eher gering.
Kildall programmierte noch
weitere Tools für das Dateimanagement sowie einen Texteditor und einen
Assembler. Intel sollte sein Paket vermarkten, aber deren Marketing-Strategen
sahen zu dieser Zeit noch keinen Markt für ein Single-User Betriebssystem. Sie
kauften ihm daher zwar PL/M ab (20.000 $), nicht aber CP/M. Ein anderer Weg
mußte gefunden werden, um CP/M an den Mann zu bringen. Kleinanzeigen in der
Fachzeitschrift "Dr. Dobbs Journal" wurden geschalten, in welchen CP/M für ca.
70 $ angeboten wurde.
1976 brachte Alan
Shugart das erste 5,25" Diskettenlaufwerk zu einem Preis von 390 $ auf den
Markt. Dies war das Ereignis, das sich Gary Kildall erhofft hatte, denn dadurch
würde die Speicherung von Daten auch für Homecomputer-Enthusiasten erschwinglich
werden. Im gleichen Jahr nahm der Computerhersteller IMSAI Kontakt zu Kildall
auf. Wie viele andere Hersteller hatte auch IMSAI einen Computer auf Basis des
Intel 8080 entwickelt, jedoch mit einem eigenen Diskettensystem, das nicht
komtatibel zum von CP/M unterstützen IBM Format war. Eine Anspassung wäre
erforderlich gewesen. An diesem Punkt hatte Killdall die Idee, die
Diskettenroutinen in einem eigenen Betriebssystemteil von CP/M zu kapseln, um
damit der Aufwand für zukünftige Anpassungen gering zu halten. Er nannte diesen
Teil das BIOS (Basic Input/Ouput System).
Diese geniale Technologie
Kildall's - die bis heute in der Computertechnik Anwendung findet - sollte
zukunftsweisend für spätere Entwicklungen sein und entscheidend zur großen
Verbreitung von CP/M beitragen. Die in den Funktionsmodulen definierten
standardisierten Sprungtabellen ermöglichten eine einfache Portierung von CP/M
auf unterschiedlichste Hardware.
Um
den Vertrieb besser organisieren zu können, gründet Kildall 1976 die Firma
Digital Research. CP/M wurde schnell zum Betriebssystem der
ersten Wahl. Viele Computerhersteller mit unterschiedlichster Hardware (u.a.
Vector, Northstar) lizensierten im Jahre 1977 CP/M für ihre Modelle, da es sich
über das BIOS leicht an die eigenen Systeme anpassen ließ und bereits mit 16K
RAM anstandslos funktionierte. Der Umsatz von Digital Research stieg noch im
gleichen Jahr enorm an, aus Gary Kildalls Hobby-Firma war plötzlich ein
ertragreiches Unternehmen geworden.
Ende der 70iger Jahre begann sich Zilog mit dem
Z80 Prozessor auf dem Markt durchzusetzen, da er leistungsfähiger
war als der inzwischen in die Jahre gekommenen 8080. Viele
Hersteller (IBM, Hewlett Packard, Xerox u.a.) setzten nun den Z80
oder auch den Intel 8085 in ihren Systemen ein, entsprechende
Anpassungen erfolgten 1979 in CP/M 2.0. Diese Version wies
allerdings viele Fehler auf.
Da bereits im Mai 1978 mit
dem Typ 8086 der erste Intel 16-Bit Prozessor erschienen war, plante Kildall die
16-Bit Variante von CP/M. So wurde 1979 mit der Entwicklung von CP/M 86
begonnen. Ebenfalls 1978 kam Motorola mit der 68000er CPU auf den Markt, wie der
8086 ein 16 Bit Prozessor. Auch hierfür gab es eine Umsetzung in Form von CP/M
68K.
CP/M war so erfolgreich, das selbst andere
Computer ohne 8080 oder Z80 Prozessoren Zusatzkarten einsetzten um
die inzwischen riesige Menge an CP/M Software nutzen zu können. Für
Verkaufsschlager wie den Apple II (MOS 6502) und Commodore C64 (MOS
6510) gab es Z80-Karten. Die erfolgreichste CP/M-Zusatzkarte
vertrieb Microsoft für den Apple II. Unglaublich, aber angeblich
wahr: 1980 konnte Microsoft so viele Softcard's absetzen wie DR im
gleichen Jahr CP/M Lizenzen.
1979 wurden drei weitere Linien der
CP/M-Familie begründet:
- die Multi-User Variante von CP/M 80, bezeichnet als MP/M 80 (Multi-Programming
Monitor Control Program), lauffähig auf 8080 oder Z80 CPU's. Es ermöglichte
mehreren Benutzern den Zugriff auf einen einzigen Computer via Terminals und war
in gewisser Weise multi-tasking fähig (so würde man es heute bezeichnen, denn
dieser Begriff existierte zu dieser Zeit noch gar nicht. DR nannte diese
Funktionalität Nucleus). MP/M erlaubte Benutzern, mehrere Programme zu starten
und zwischen ihnen umzuschalten und ermöglichte gleichzeitige I/O Operationen.
Das Dateiformat war zwar zu CP/M identisch, ansonsten lief nicht jede CP/M
Anwendung auch auf MP/M. Wenn Sie mehr über MP/M wissen wollen, lesen Sie das
Handbuch.
- die multi-tasking fähige Single-User-Variante in Form von Concurrent CP/M 80
- Netzwerkerweiterungen in Form von CP/NOS und Ende 1979/Anfang 1980 CP/NET. Als
Hardware benutzte man damals das ARCNET von Datapoint. Diese Systemerweiterungen
verkauften sich nicht besonders gut. 1980 verstand niemand, wozu das gut sein
sollte, denn dafür gab es doch die Mainframes...
1980 erschien mit CP/M 2.2 die
erfolgreichste 8 Bit Version des Betriebsystems. Die Installationsbasis von CP/M
stieg auf 200.000 Systeme, wobei 3000 unterschiedliche Hardwarekonfigurationen
unterstützt werden mußten. Der Umsatz von Digital Research erreichte 1981 6 Mio
$, 75 Angestellte arbeiteten zu dieser Zeit in der Firma. CP/M 2.2 bildete auch
die Grundlage für MS-DOS. Wieso das ? Weil nach Expertenmeinung das 1980 von Tim
Paterson entwickelte Betriebssystem QDOS weitgehend auf CP/M 2.2 basierte und
aus diesem QDOS im Jahre 1981 MS/PC-DOS entstand .
Die letzte CP/M Version für 8 Bit Rechner, CP/M
3.0 bzw. CP/M Plus kam 1982 auf den Markt und unterstützte die Technik des "Bank
Switching". Eine Notlösung, die durch die gefallenen Speicherpreise erforderlich
wurde: durch diesen Programmiertrick stand Systemen mit höherem RAM Ausbau (z.B.
128K) für Anwendungsprogramme bis zu 62K des durch CP/M maximal adressierbaren
Speichers zur Verfügung.
1981 war ein entscheidendes Jahr, im
besonderen für Gary Kildall und Digital Research. IBM suchte ein Betriebssystem
für seinen PC. Folgerichtig wendete sich IBM auch zuerst an Kildall, denn das in
Arbeit befindliche CP/M 86 des Marktführers für Mikrocomputer-Betriebssysteme
wäre eigentlich das adäquate Produkt für IBM's PC gewesen. Die Verhandlungen
zwischen IBM und DR scheiterten jedoch. Was auch immer genau die Ursache dafür
war, der praktisch nicht vorhandene Geschäftsinstinkt Gary Kildalls war mit
Sicherheit ein wesentlicher Faktor, der zu dieser historischen Fehlentscheidung
geführt hat. Sie markierte auch den Zeitpunkt für den Anfang vom Ende von
Digital Research, obwohl IBM letztendlich auch CP/M 86 in der Optionsliste für
den IBM PC führte.
Ebenso wenig erfolgreich war Digital Research bei
der Version CP/M 68K, die als Basis für den Atari ST diente. Jack Tramiel liess
diese Version speziell für seine 68000-Modelle von DR entwickeln, weigerte sich
aber, für einzelne Lizenzen zu bezahlen. Er war lediglich bereit, DR den
Entwicklungsaufwand zu honorieren. Bis auf den Kernel blieb allerdings nicht
viel von CP/M 68K übrig, es ähnelte am Schluß eher MS-DOS.
Digital Research entwickelte später mit GEM
(Graphic Enviroment Manager) eine grafische Benutzeroberfläche für Atari.
Bereits ein Jahr vor der ersten Windows Version, Ende 1984, erschien auch die
Intel-Version von GEM. Der Vorteil dieses GUI war, das die Hardwareansprüche
wesentlich geringer ausfielen als die von Windows. GEM lief auch auf einem 8086
PC ohne Festplatte, war optisch filigraner und auch ohne Farbgrafik noch
ansehnlich. Bis 1990 fand dann ein direkter Konkurrenzkampf zwischen Windows und
GEM statt, der hauptsächlich in den Fachzeitschriften ausgetragen wurde. Doch
die Vermarktungsstrategie von Microsoft stellte sich letztendlich als die
bessere heraus. Eine Microsoft-Trick war z.B., Produktversionen in Aussicht zu
stellen, deren Entwicklung zum Zeitpunkt der Ankündigung noch nicht mal begonnen
hatte. Aber so hielt man viele Kunden vom GEM-Kauf ab. Mit Erscheinen von
Windows 3.0 im Jahr 1990 und der erheblich gestiegenen Leistung der
Computer-Hardware endete der Kampf, mit Microsoft und Windows als Sieger.
1982 erscheint die 16-Bit Version von
Concurrent-CP/M. Diese ist in der Lage, MS-DOS 1.0 und 1.1 zu emulieren. Auch
eine 16-Bit Version von MP/M wird noch auf den Markt gebracht. Aber die Zeit von
CP/M ist vorüber, MS-DOS konnte sich nach und nach auf einer immer breiter
werdenden Front durchsetzen. Die Softwarehersteller, die bisher Programme für
CP/M hergestellt hatten, modifizierten ihre Produktpalette zugunsten von MS-DOS.
Hier endet die Geschichte von CP/M, des ersten
Betriebssystems für Mikrocomputer. CP/M ist heute ein freies Betriebssystem, die
Quellcodes sind öffentlich einsehbar unter:
http://www.cpm.z80.de.
Die Geschichte von Digital Research geht noch ein
paar Jahre weiter, denn man entwickelte auf Basis von CP/M 86 ein eigenes, zu
MS-DOS kompatibles Betriebssystem. Die erste Version war 1988 DR-DOS 3.31,
ausgeliefert wurde ab 1989 DR-DOS 3.41. Weitgehend kompatibel war es allem
billiger als das "Original". In Teilbereichen war DR-DOS 3.41 sogar überlegen,
z.B. konnte es Festplatten bis 512MB verwalten. Viele Computerhersteller
lieferten DR-DOS erfolgreich im Bundle mit Windows aus. Doch diesem Treiben von
DR setzt Microsoft ein Ende, in dem es Windows so veränderte, das es beim
Betrieb unter DR-DOS nicht korrekt funktionierte bzw. den Dienst komplett
verweigerte. Es erschienen auch noch weitere Nachfolger dieses Betriebssystems
in Form von DR DOS 5.0 und 6.0. Weitere Mitglieder der DR-DOS Familie waren DR
PalmDOS (1993), das multi-user fähige DR-Concurrent DOS sowie die zusätzlich
noch multitaskingfähigen DR Concurrent DOS/386 und DR Concurrent DOS/XM.
1991 verkaufte Gary Kildall Digital
Research an Novell. Er war ein genialer Programmierer und ein Visionär gewesen,
aber im Vergleich zu Bill Gates ein lausiger Geschäftsmann. 1994 stirbt er -
vermutlich an den Folgen eines Herzinfarkts, auch hier gibt es mehrere Versionen
der Geschichte - im Alter von nur 52 Jahren.
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