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Betriebssysteme
Linux/Unix
Unix
allgemein
UNIX ist ein
Mehrbenutzer-Betriebssystem. Es wurde Anfang
der 1970er Jahre von Bell Laboratories zur Unterstützung
der Softwareentwicklung entwickelt.
Unix steht
heutzutage allgemein für Betriebssysteme, die
entweder ihren Ursprung im Unixsystem von AT&T
(ursprünglich Bell Laboratories) der 1970er
haben oder dessen Konzepte implementieren.
Da UNIX eine
eingetragene Marke der Open Group ist, dürfen
nur zertifizierte Systeme den Namen UNIX führen.
Dennoch ordnet man auch Betriebssysteme, die
z. B. den Linux-Kernel benutzen, der Unixfamilie
zu. In der Fachliteratur verwendet man üblicherweise
Unix als Bezeichnung für unixartige Systeme,
während man UNIX (in Großbuchstaben oder
Kapitälchen) zur Kennzeichnung zertifizierter
Systeme nutzt.
Zu all diesen
Systemen, die in Unix-Derivate und unixoide
Betriebssysteme eingeteilt werden können, zählen
zum Beispiel die BSD-Systeme, HP-UX (Hewlett-Packard),
DG/UX (Data General), AIX (IBM), IRIX (Silicon
Graphics), Solaris (Sun) und Mac OS X (Apple).
Einige andere
Systeme wie GNU, Linux oder QNX sind im historischen
Sinne keine Unixderivate, da sie nicht auf dem
ursprünglichen Unixquelltext basieren, sondern
separat entwickelt wurden. Sie sind jedoch trotzdem
unixoide Systeme, da sie die für Unix typischen
Betriebssystemfunktionen implementieren. Einen
Sonderfall stellt BSD dar, das zwar ursprünglich
auf Bell-Labs-Quelltexten beruhte, seit Mitte
der 1990er jedoch vollständig aus Code aus der
Community besteht.
Das System hieß ursprünglich
„Unics“ (später gekürzt
auf „Unix“), eine Anspielung
auf das System „Multics“.
Der Name „Unics“ wurde
gerne auch als Uniplexed
Information and Computing
Service interpretiert,
allerdings ist dies eine nachträgliche
Interpretation (Backronym) –
weder „Unics“ noch
„Unix“ oder „UNIX“
sind Akronyme.
Die Diskussion, welche Schreibweise
nun die richtigere sei, „UNIX“
oder „Unix“, ist alt.
Geschichtlich ist „Unix“
die ältere Schreibweise, die
Schreibweise „UNIX“ tauchte
erst später auf – aus rein ästhetischen
Gründen. Heute haben sie unterschiedliche
Bedeutungen: In der Fachliteratur
verwendet man üblicherweise
Unix als Bezeichnung für unixartige
Systeme, während man UNIX zur
Kennzeichnung zertifizierter
Systeme nutzt. Als Plural ist
im Deutschen „Unixe“
und das an die 3. Deklination
des Lateinischen angelehnte
„Unices“ im Gebrauch,
im Englischen „Unixes“
und ebenfalls „Unices“.
Bis Unix V7 1979 erschien, wurde
der Quellcode von Unix gegen
Erstattung der Kopier- und Datenträgerkosten
an Universitäten verteilt. Unix
hatte damit den Charakter eines
freien, portablen Betriebssystems.
Der Code wurde in Vorlesungen
und Veröffentlichungen verwendet
und konnte nach eigenen Vorstellungen
geändert und ergänzt werden.
Die Universität Berkeley entwickelte
eine eigene Distribution mit
wesentlichen Erweiterungen,
die Berkeley Software Distribution
(BSD).
In den frühen 1980er Jahren
beschloss AT&T, Unix zu vermarkten;
der AT&T-Quellcode durfte ab
diesem Zeitpunkt nicht mehr
öffentlich zugänglich gemacht
werden. Auch die Verwendung
in Vorlesungen etc. war ausgeschlossen.
Auch für auf BSD basierende
Systeme wurden – da ein Teil
des Codes von AT&T stammte –
hohe Lizenzgebühren erhoben.
Viele Firmen lizenzierten den
UNIX-Quellcode und brachten
ihre eigenen Varianten auf den
Markt, selbst Microsoft hatte
mit Xenix einige Zeit ein Unix
im Angebot.
Merkmale von Unix:
-
Dateistruktur, Gerätedateien,
Mount Points
-
Multi-Tasking
-
Multi-User Fähigkeiten
-
Portabilität zu anderen
Plattformen
-
portierbaren UNIX Programme
-
Gemeinsame Bibliotheksdateien
-
Mikrokernel
-
CLI (Command Line Interface)
-
Netzwerfähig
GNU:
Die Nichtverfügbarkeit des Quellcodes
veranlasste Richard Stallman,
1983 das GNU-Projekt („GNU's
Not Unix“)
ins Leben zu rufen. Ziel des
Projekts war die Schaffung eines
freien Unix-kompatiblen Betriebssystems.
Bis 1990 hatte das Projekt alle
wesentlichen Teile – inklusive
des GNU-C-Compilers (gcc) –
entwickelt, jedoch mit Ausnahme
des Kernels.
Linux:
1987 erschien das Lehrsystem
Minix, entwickelt von Andrew
S. Tanenbaum an der Freien Universität
Amsterdam. Minix war ein Unix-Klon
mit Mikrokernel, C-Compiler,
Texteditor und vielen Kommandos,
das auf anspruchsloser PC-Hardware
lief. Der Quellcode war Teil
des Lieferumfangs. Es war zwar
kommerziell und proprietär,
hatte aber einen sehr niedrigen
Preis. Wie vormals Unix diente
dieses System vielen als Ausgangspunkt
für eigene Experimente.
1991 arbeitete der Student Linus
Torvalds an einem Terminal-Emulator,
mit dem er auf einen Uni-Computer
zugreifen wollte. Mit der Zeit
baute er einen Dateisystem-Zugriff
und viele andere nützliche Features
ein. Bald bemerkte er, dass
er mehr als einen Terminal-Emulator
programmierte. Den Sourcecode
veröffentlichte er in der Newsgroup
comp.os.minix als Betriebssystemkern,
das auf einem Intel-386er-PC
lauffähig sein sollte. Zuerst
sollte sein Projekt Freax
heißen. Da der Administrator
der Universität ihm als Login
für sein FTP-Repository „Linux“
vergab, nannte er das Projekt
eben so. Im Sourcecode der Version
0.01 von Linux kommt noch der
Name Freax vor („Makefile for
the FREAX kernel“).
Freie BSD-Derivate:
1992 erschien
mit 386BSD
von Bill Jolitz
ein weiteres
freies System
für 80386-Prozessoren.
Es bestand aus
einem Patch
für die nicht
von AT&T stammenden
freien Teile
der BSD-Distribution
und bildete
ein weiteres
freies, sehr
fortgeschrittenes
Betriebssystem
für Intel-Prozessoren.
1994 veröffentlichte
Berkeley mit
4.4BSDLite die
letzte Version
ihrer Distribution,
die von AT&T-Quellcode
befreit war.
Dieses bildete
zusammen mit
386BSD die Grundlage
für NetBSD,
FreeBSD und
kurz darauf
OpenBSD.
2000 gab Apple
den Quelltext
des Betriebssystems
Darwin, Bestandteil
von Mac OS X,
frei. Es basiert
auf 4.4BSD und
dem Mach-Mikrokernel.
OpenSolaris:
Seit 2005 ist
auch Solaris
(Version 10)
in der jeweils
aktuellen Fassung
für die gebührenfreie
Benutzung erhältlich.
Solaris läuft
auf 32-Bit-Prozessoren
(x86) von AMD
und Intel sowie
auf 64-Bit-Systemen
mit Suns UltraSPARC
und sogenannten
x64-Systemen
wie zum Beispiel
AMDs Opteron.
Für Zugriff
auf Quellen
und Mitarbeit
inklusive Erweiterung
ist es in der
Fassung OpenSolaris
erhältlich,
die sich funktionell
nicht von der
Binärversion
unterscheidet.
Sun Microsystems
verlangt allerdings
eine Registrierung
und hat eigene
Lizenzbestimmungen,
die mit der
GNU GPL nicht
kompatibel sind.
Erscheinungsdaten:
|
Jahr |
Name |
Anmerkung/Hersteller |
|
1969 |
UNICS |
erste Version von Bell
Laboratories |
|
1970–75 |
UNIX V1–V5 Time Sharing
System |
Bell Labs |
|
1976 |
UNIX V6 (6th Edition) |
Bell Labs |
|
1977 |
Erste Berkeley Software
Distribution (BSD) |
|
|
1978 |
2BSD |
Zweite Berkeley Software
Distribution |
|
1979 |
UNIX V7 (7th Edition) |
letzte Version von Bell
Labs mit freiem Quellcode |
|
1980 |
UNIX 32V |
Portierung der UNIX
V7 auf VAX-Computer |
|
1980 |
3BSD und 4BSD |
Berkeley Portierung
auf VAX-Computer |
|
1980 |
Xenix |
Unix-Version der Firma
Microsoft, später von
SCO weitergeführt |
|
1981 |
UNIX System III |
erste kommerzielle Version
von Bell Labs |
|
1982 |
HP-UX 1.0 |
Unix der Firma Hewlett-Packard
(HP) |
|
1982 |
SunOS, 1.0 |
Unix Version der Firma
Sun Microsystems |
|
1983 |
Start des GNU-Projekts |
(GNU: Gnu is Not
Unix – GNU ist
nicht Unix) |
|
1983 |
UNIX System V |
Bell Labs |
|
1983 |
Ultrix |
Unix-Version der Firma
Digital Equipment Corporation
(DEC) |
|
1983 |
Sinix |
Unix-Version der Firma
Siemens |
|
1983 |
Coherent |
unixoides System der
Mark Williams Company |
|
1983 |
4.2BSD |
|
|
1984 |
Start des Mach-Mikrokernel-Projekts
an der Carnegie
Mellon University (Kalifornien). |
|
|
1986 |
AIX 1.0 |
Unix-Version der Firma
IBM |
|
1986 |
A/UX |
Unix-Version der Firma
Apple |
|
1987 |
Minix 1.0 |
Unix-Klon der Freien
Universität Amsterdam |
|
1988 |
IRIX |
Unix-Version der Firma
Silicon Graphics |
|
1989 |
NeXTStep |
Unix-Version der Firma
NeXT basierend auf 4.3BSD
und Mach-2.5-Kernel |
|
1989 |
SORIX |
Unix-Version der Firma
Siemens für Echtzeitanforderungen |
|
1990 |
OSF/1 |
Unix-Klon der Open Software
Foundation |
|
1991 |
4.3BSD Net/2 |
BSD-Version ohne AT&T-Code,
unvollständig |
|
1991 |
TT/X kompatibel zu Unix
System V Version 4 |
Unix-Version der Firma
Atari |
|
1991 |
Linux |
An Minix orientiert,
große Verbreitung |
|
1992 |
Solaris 2.0 |
Firma Sun Microsystems |
|
1992 |
386BSD |
Patch für BSD4.3 Net/2
für Intel-Prozessoren |
|
1992 |
UnixWare 1.0 |
Unix-Version von Univel
(AT&T & Novell) |
|
1994 |
4.4BSDEncumbered und
4.4BSDLite |
(ohne Bell Labs-Code) |
|
1994 |
FreeBSD 1.0 |
basierend auf 4.3BSD
Net/2 (kurz darauf 2.0
auf 4.4BSDLite) |
|
1994 |
NetBSD 1.0 |
basierend auf 4.4BSDLite |
|
1994 |
Tru64 UNIX |
Nachfolger von OSF/1 |
|
1995 |
HP-UX 10.00 |
Firma Hewlett-Packard
(HP) |
|
1995 |
OpenBSD-Projekt |
ausgehend von NetBSD |
|
1996 |
AT&T gliedert die Bell
Labs in das Unternehmen
Lucent
Technologies ein |
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2000 |
Darwin |
Firma Apple, basierend
auf Mach und 4.4BSD
(Mac OS X) |
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2003 |
DragonFlyBSD-Projekt |
ausgehend von FreeBSD |
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2005 |
OpenSolaris |
Firma Sun Microsystems |
Merkmale von
Unix:
- Dateistruktur,
Gerätedateien, Mount Points
- Uneingeschränktes
Multi-Tasking
- Uneingeschränkte
Multi-User Fähigkeiten
- Portabilität
zu anderen Plattformen
- Vielzahl
an (portierbaren) UNIX Programme
- Gemeinsame
Bibliotheksdateien für Anwendungssoftware
(Shared, Static)
- Mikrokernel
- CLI (Command
Line Interface) mit sehr hoher Anzahl an
Programmen
- Hoher
technischer Stand des Betriebssystem-Design,
der Netzwerkimplementation
- Hohe Unterstützung
durch Firmen, die Internet-Comunity für
Weiterentwicklung, Fehlerbehebung
- Mehrere
Bedienungsoberflächen (CDE, OpenLook, KDE,
Gnome, FVWM-95)
- Hoher
Marktanteil in Wissenschaft, Forschung,
Entwicklung und Bildung
- Support
durch Softwarehersteller oder externe Supportfirmen
- Hoher
Konfigurierungsgrad, individuell je nach
Aufgabengebiet anpassbar
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