Geschichtliche
Entwicklung:
1975
entwickelte der Student Bill Gates zusammen mit
Paul Allen und Monte Davidoff auf einem von Paul
Allen programmierten Emulator für den Prozessor
Intel 8080 die Programmiersprache Altair BASIC
2.0 für den Computer Altair 8800 des
Unternehmens MITS (Micro Instrumentation
Telemetry Systems). Die Software war zunächst in
zwei Versionen verfügbar: Altair BASIC 4K
und Altair BASIC 8K. Am 22. Juli 1975
schlossen Bill Gates und Paul Allen einen
Distributionsvertrag mit dem Unternehmen MITS in
Albuquerque. Neben einer einmaligen Zahlung in
Höhe von 3000 Dollar sah der Vertrag vor, dass
Gates und Allen für jedes 4K-BASIC 30 Dollar,
für das 8K-BASIC 35 Dollar und für die
Extended Edition (BASIC mit Handbuch) sogar
60 Dollar erhalten sollten, wenn ein
Altair-Käufer die Software zusammen mit dem
Bausatz bestellte, aus dem der Altair 8800 erst
zusammengelötet werden musste.
Als „General
Licensors“ erhielten sie zusätzliche 10 Dollar
für jedes BASIC oberhalb der 8K-Version, welches
zusammen mit dem Rechner bestellt wurde. Kunden,
die schon einen solchen Altair zusammengebaut
hatten, ohne die Software gleich dazu zu
erwerben, hatten 500 Dollar für Altair BASIC 4K
oder gar 750 Dollar für die 8K-Version
zusätzliche Kosten, um die überhaupt erste
Software zu erwerben, die ihren Rechner zum
Leben erweckte. Gates und Allen erhielten von
diesem Umsatz von MITS als Lizenzgeber die
Hälfte. Der Name „Micro-Soft“ entstand am
29. November 1975, als sich Gates und Allen um
eine Werbekampagne Gedanken machen mussten. Der
Vertrag mit MITS war auf 180.000 Dollar
begrenzt. Er enthielt jedoch eine Klausel, nach
welcher Microsoft das Recht zugesprochen wurde,
die Software an weitere Computerhersteller zu
verkaufen. MITS verlangte dafür allerdings
Tantiemen. Eine weitere Klausel verpflichtete
das junge Unternehmen dazu, einen telefonischen
Kundendienst mit einer Person einzurichten,
sobald der Umsatz 2500 Dollar im Monat
überstieg. Eine zweite Person wurde nötig,
sobald 5000 Dollar Umsatz pro Monat erreicht
wurden. Das hatte zur Folge, dass Bill Gates
sein Studium nicht fortsetzen konnte.
Gates und Allen
schlossen untereinander einen Vertrag ab,
welcher die Aufgaben im Unternehmen und die
Gewinnausschüttung regelte. Monte Davidoff, der
die Gleitkommafunktionen von Altair BASIC
programmiert hatte, wurde mit einmalig
2400 Dollar ausgezahlt. Gates und Allen hingegen
teilten sich im ersten Monat einen Verdienst von
1516 Dollar.
Die Entwicklung
von Altair BASIC 3.0 verlangte, wie schon bei
der Version 2.0, aufgrund des kleinen Speichers
des Altair ein besonderes Programmiergeschick.
Bill Gates musste zu ungewöhnlichen Methoden
greifen, um den Speicherbedarf so weit wie
möglich zu reduzieren. Spätere
Microsoft-Mitarbeiter sollte dieser Gates-Code
noch oft zur Verzweiflung treiben, wenn sie ihn
zu Wartungszwecken zu überarbeiten hatten.
Gleichzeitig waren diese Programmiermethoden
aber auch hilfreich, um anderen
Softwareherstellern die illegale Verwendung von
Programmteilen von Microsoft nachzuweisen, denn
Gates war der einzige, der den Code erklären
konnte.
Die
Entwicklungskosten für Altair BASIC summierten
sich auf 40.000 Dollar. Die größten Kosten
verursachte hierbei die eingekaufte Rechenzeit
auf den Großrechnern eines Rechenzentrums, in
welchem Allen zunächst einen Emulator für den
Intel 8080 entwickelte, um das BASIC überhaupt
in Angriff nehmen zu können. Gates programmierte
das BASIC übrigens kosteneffizient mit Bleistift
auf einem Notizblock.
In Anbetracht
dieser Kosten ist die Verärgerung von Bill Gates
kaum verwunderlich, als bereits vor dem
offiziellen Erscheinen von Altair BASIC
50 Kopien einer Beta-Version in Umlauf
gelangten.
Microsoft
entwickelte aus Altair BASIC einen eigenen
BASIC-Interpreter namens Microsoft BASIC,
der durch seine Implementierungen auf den
verschiedenen damaligen Homecomputern rasch
bekannt wurde. Andere Hersteller lizenzierten
den Code des Microsoft BASIC und entwickelten
ihn selbständig weiter (z. B. Apple und
Commodore), oder sie entwickelten Alternativen
mit einer zu Microsoft BASIC weitgehend
kompatiblen Syntax (z. B. Atari); beide
Strategien trugen so zu einer weiteren
Verbreitung dieser Sprache bei. Die Verbreitung
von BASIC war so groß, dass praktisch jedem
damals verkauftem Computersystem ein BASIC zur
Verfügung stand.
Neben dem
BASIC-Interpreter entwickelte Microsoft in
diesen Jahren auch Compiler u. a. für BASIC,
Fortran und COBOL. Diese basierten zunächst noch
auf dem CP/M-Betriebssystem.
Später
versuchte Microsoft in Zusammenarbeit mit
anderen Unternehmen, einen Homecomputer-Standard
namens MSX einzuführen, der sich gegen die
Vielzahl von untereinander inkompatiblen
Homecomputern durchsetzen sollte. Er war
vorübergehend insbesondere in Europa und Japan
erfolgreich. Die folgende Entwicklung setzte
jedoch der Ära der Homecomputer ebenso ein Ende
wie dem MSX.
Darüber hinaus
bot Microsoft 1980 mit Xenix auch ein
Unix-artiges Betriebssystem an. Aufgrund des für
die damalige Zeit großen Ressourcenbedarfs
dieses Systems stellte Microsoft allerdings die
Weiterentwicklung ein und verkaufte es 1987 an
SCO.
Die Geschäfte
mit BASIC und den anderen Programmiersprachen
liefen in den Jahren 1979–1980 nicht besonders
gut. Um einen zusätzlichen Kundenkreis zu
erschließen, hatte Microsoft sogar die
„Microsoft Softcard“ produziert, eine
Erweiterungskarte mit einem Z80-Prozessor für
den sehr erfolgreichen Apple-II-Computer, welche
es dem Apple-Computer ermöglichte, die für CP/M
geschriebene Software von Microsoft laufen zu
lassen. Die Karte wurde jedoch schnell ein
wichtiger eigenständiger Umsatzbringer für das
junge Unternehmen und übertraf die
Programmiersprachen an Bedeutung, da viele
Käufer mit dem Kauf vor allem die Möglichkeit
suchten, die erfolgreichen CP/M-basierten
Büroprogramme anderer Unternehmen zu nutzen, wie
beispielsweise Wordstar. Hier zeichnete sich
bereits ab, dass der Markt für fertige
Anwendungsprogramme den für Programmiersprachen
im Umsatzpotenzial auf längere Sicht weit
überstieg. Aufgrund dieser Erkenntnis begann
Microsoft, den fast ausschließlichen Fokus auf
Programmiersprachen aufzugeben.
Entwicklung von MS-DOS
für IBM
Der
kometenhafte Aufstieg von Microsoft begann erst
durch eine Kooperation mit IBM. IBM benötigte
1980 aufgrund ihres verspäteten Einstiegs in das
Homecomputer-Geschäft mit ihrem IBM-PC möglichst
rasch ein Betriebssystem und wandte sich an Bill
Gates’ Unternehmen. Microsoft hatte jedoch kein
eigenes Betriebssystem, und Gates schickte die
Unterhändler von IBM daher zu Digital Research,
welche CP/M entwickelte und vertrieb. Doch Gary
Kildall, der Chef und Gründer von Digital
Research, war nicht anwesend. IBM unterhielt
sich daher mit Kildalls Ehefrau Dorothy. IBM
legte ihr lediglich eine Geheimhaltungserklärung
über die Kaufabsichten von IBM zur Unterschrift
vor, um die Verhandlungen zu vertagen, doch
Dorothy Kildall zögerte und wollte nichts
unterschreiben, bevor ihr Mann nicht zurück sei.
Nachdem die Unterhändler von IBM drei Stunden
vergeblich gewartet hatten, verließen sie
schließlich Kildalls Büro wieder.
Bill Gates
Mutter Mary hatte über die
Wohltätigkeitsorganisation „United Way“, in
welchem sie im Vorstand war, Kontakte zu John
Opel, dem Präsidenten von IBM. Über diese
Verbindung bereitete sie für ihren Sohn den Weg
zu „Big Blue“. Zunächst wollte Bill Gates von
einem Geschäft mit IBM absehen, doch nach einer
Besprechung mit Allen wandte Microsoft sich
schließlich an IBM und schloss einen Vertrag
über 186.000 Dollar für ein Betriebssystem ab,
das den Grundstein des Erfolges von Microsoft
legte und dessen historische Bedeutung wohl
keiner der damals Beteiligten ahnte. Microsoft
kaufte zwei Tage später für 50.000 Dollar von
dem Unternehmen Seattle Computer Products das
Betriebssystem QDOS, eine CP/M-Variante, die als
„quick and dirty operating system“ bezeichnet
wurde. Den Programmierer Tim Paterson kaufte man
gleich mit ein und verpflichtete ihn für
Microsoft. QDOS war eine sehr genaue Imitation
von CP/M. Paterson, Gates und Allen führten
unter dem Codename „Project Chess“ allerhand
Modifikationen an der Software durch, die dann
unter der Bezeichnung MS-DOS an IBM ausgeliefert
wurde. Die Änderungen im Betriebssystem sahen
vor, dass CP/M Programme unter MS-DOS ausführbar
waren, MS-DOS Programme allerdings nicht unter
CP/M liefen. Erst nach der Markteinführung
entdeckte man bei IBM, dass man eine CP/M-Variante
erworben hatte, und zahlte 800.000 Dollar an
Digital Research für einen Verzicht auf
rechtliche Schritte gegen IBM.
Obwohl die
Qualität von MS-DOS deutlich hinter dem Stand
der Technik zurückblieb – selbst in
Intel-internen Dossiers erntete es nur ein
vernichtendes Urteil – wurde der PC, der im
Herbst 1981 für knapp 3000 Dollar auf den Markt
kam, ein großer Erfolg. Ursache war eine offene
Lizenzpolitik von IBM, die auch Fremdherstellern
die Produktion des PC gestattete, so dass durch
Konkurrenz die Preise fielen, sowie das
Bedürfnis der Kunden nach der Etablierung eines
Standards, den man am ehesten bei IBM, dem
damaligen Marktführer bei Großrechnern,
erwartete. Zum Erfolg vom MS-DOS trug auch eine
partielle Quellcode-Abwärtskompatibilität zu CP/M
bei, die es ermöglichte, gängige Software wie
WordStar, dBase II oder auch das BASIC von
Microsoft nach wenigen Modifikationen und einer
Neuassemblierung auch unter MS-DOS zur Verfügung
zu stellen. Dieses Prinzip der kleinen Schritte
unter Wahrung der Abwärtskompatibilität wurde
aber auch oft kritisiert, weil die technischen
Möglichkeiten der Hardware nicht voll genutzt
wurden und damit der Fortschritt verzögert
wurde.
Wegen einer
schweren Erkrankung verließ Paul Allen 1983
Microsoft, blieb aber neben Gates Hauptaktionär.
Das schnell wachsende Unternehmen verfügte über
immer mehr liquide Mittel. Trotzdem wurden zum
Beispiel Weihnachtsgratifikationen an
Mitarbeiter in Form von Aktienanteilen
ausgegeben. Viele dieser Mitarbeiter waren
aufgrund dieser Anteile im Wert von ein paar
hundert Dollar innerhalb von wenigen Jahren
Millionäre.
Grafische
Benutzeroberfläche
Der PC
dominierte rasch den Markt. Selbst die
Einführung einer grafischen Benutzeroberfläche,
die der Hauptkonkurrent Apple 1983 mit der Apple
Lisa, einem Vorläufer des Macintosh, auf den
Markt brachte und die den Anwendern die Eingabe
von Kommandos über die Tastatur ersparte, konnte
den Erfolg des PC nicht dauerhaft verhindern.
Erst 1990 konnte Microsoft mit Windows 3.0
nachziehen, wenn auch auf softwaretechnisch
unterlegenem Niveau.
Eine Klage von
Apple wegen Urheberrechtsverletzung durch die
grafische Oberfläche wurde nach einem
mehrjährigen Prozess 1995 abschlägig beschieden.
Auch gegen das im selben Jahr erschienene
Windows 95 reichte Apple eine Klage ein. Apple
war zu dieser Zeit als Unternehmen bereits in
erheblicher Bedrängnis. Es kam daher zu einem
Vergleich, bei dem Microsoft durch den Erwerb
von stimmrechtlosen Aktien Apples und einer
Zahlung in unbekannter Höhe den Konkurs
abwendete und Apple im Gegenzug seine Klage
zurückzog.
Obwohl die
Fenstertechnik bereits 1984 mit der Bezeichnung
X Window System unter Unix-Systemen eingeführt
worden war, gelang es Microsoft, die Bezeichnung
„Windows“ als Handelsnamen zu sichern, wenn auch
erst nach einem Prozess gegen das US Patent
and Trademark Office.
Anfang bis
Mitte der 1990er Jahre brachte Microsoft
vermehrt Unterhaltungs-, Wissens-, und
Kindersoftware der Produktlinie Microsoft Home
heraus und versuchte damit, mehr Privatkunden
anzuziehen.
Problematisches
Vorgehen gegen Digital Research
Microsoft hatte
nun eine Marktposition erreicht, aus der heraus
eine Politik der Verdrängung der Konkurrenz in
den Bereich des Möglichen geriet und auch
betrieben wurde. Dabei bewegte man sich nicht
immer im Rahmen der Legalität. So ergab die
Offenlegung des internen Schriftwechsels im
Rahmen eines Kartellverfahrens, dass 1991 mit
Billigung der Unternehmensleitung eine Version
von Windows 3.1 in Umlauf gebracht worden war,
die eine vorgetäuschte Fehlermeldung anzeigte,
wenn Windows 3.1 über das Betriebssystem DR-DOS
des Konkurrenten Digital Research anstelle von
MS-DOS installiert wurde. Da Digital Research
aufgrund seiner Abhängigkeiten von Microsoft auf
eine Klage verzichtete, kaufte der
Novell-Gründer Ray Noorda für 400.000 Dollar die
Rechte an DR-DOS auf und reichte die Klage ein.
Drei Wochen vor Prozessbeginn im Januar 2000
verglich er sich mit Microsoft gegen eine
Abfindung von mehr als 200 Millionen Dollar. Ob
Ray Noorda von der erstrittenen Summe Digital
Research etwas weitergab, ist unsicher, zumal
Digital Research einige Zeit später vom Markt
verschwand.
Bindung anderer
Unternehmen an die eigenen Produkte
Bereits im
Zusammenhang mit der Einführung von Windows 3.0
hatte Microsoft Ermittlungen des Kartellamtes
provoziert. Damit Programmierer von
Anwendungssoftware wettbewerbsfähig bleiben
können, benötigen sie rechtzeitig vor Erscheinen
einer neuen Betriebssystemversion Informationen
über die Spezifikation der neuen Schnittstellen.
Microsoft stellte diese Informationen nur im
Rahmen von Vertraulichkeitsvereinbarungen zur
Verfügung, bei denen sich die Entwickler
verpflichteten, drei Jahre lang keine Software
für andere Betriebssysteme zu entwickeln. Ferner
gewährte Microsoft den PC-Herstellern Rabatte,
wenn sie bereit waren, nicht nur für jede
Windows-Installation, sondern auch für mit
anderen Betriebssystemen ausgerüsteten PCs
Lizenzgebühren zu zahlen, so dass Microsoft auch
am Umsatz der Konkurrenz verdiente. Nach
mehrjährigen Ermittlungen stimmte das Kartellamt
einem Vergleich zu, bei dem Microsoft lediglich
zusagte, von dieser Vertragspolitik künftig
Abstand zu nehmen.
Kooperation mit IBM
für OS/2
Microsoft
entwickelte zusammen mit IBM das Betriebssystem
OS/2, dessen Version 1.0 im Jahr 1987 erschien.
OS/2 stellte konzeptionell und dank seiner erst
16-Bit- und später 32-Bit-Technik einen
deutlichen Qualitätssprung dar und war mit
Strukturen ausgestattet, die Microsoft erst
Jahre später mit Windows NT wieder anbieten
konnte. Vereinbart war, dass IBM die
Benutzeroberfläche und Microsoft den
Betriebssystemkern entwickeln sollte, was bis
zur Version 2.0 auch geschah. Aufgrund des
gleichzeitigen Erfolges von Windows 3.0
beschloss Microsoft jedoch, die
Programmierschnittstellen für den Nachfolger
OS/2 Version 3.0 an Windows zu orientieren statt
an OS/2 Version 2.0, und provozierte damit eine
Vertrauenskrise zwischen den Vertragspartnern.
Microsoft schied 1991 aus dieser Kooperation
aus, und IBM musste OS/2 alleine
weiterentwickeln, dessen nächste Version 1994
als OS/2 Warp 3 erschien.
Trotz der
technischen Überlegenheit der 32-Bit-Generation
von OS/2 sowohl in den Versionen 2.x als auch
Warp 3 setzten die Anwender weiterhin auf das
DOS-basierende Windows 95 und einige auch auf
Windows 3.x. Neben Marketingfehlern von IBM hat
wohl auch Microsofts Ankündigung des Erscheinens
einer Windows-Version mit dem Codenamen
„Chicago“ für Anfang 1994, die sowohl 16- als
auch 32-Bit-Technik beherrschen sollte, zu
dieser Entwicklung beigetragen, die viele Kunden
von einem Wechsel auf OS/2 abhielt. Tatsächlich
erschien dieses Windows jedoch erst im August
1995 unter der Bezeichnung Windows 95. Diese
Geschäftspolitik wird auch als Ankündigung von
Vaporware bezeichnet.
Entwicklung von
Windows NT (von 3.1 bis 6.0)
Microsoft
setzte nach dem Ende der Zusammenarbeit mit IBM
die Entwicklung seines Betriebssystems, das
zunächst als Nachfolger von OS/2 Version 2.0
gedacht war, nach eigenen Vorstellungen fort und
veröffentlichte es 1993 als Windows NT 3.1.
Bewusst wählte man als Versionsnummer nicht
„1.0“, stattdessen wollte man mit 3.1 die
Verbindung zu Windows WfW 3.11 schaffen
und somit gleich mit einer höheren Nummer auf
den Markt kommen. Bill Gates konnte für die
Entwicklung der Architektur David N. Cutler
gewinnen, denjenigen Entwickler mit der bis dato
wohl größten Erfahrung beim Entwickeln von
Betriebssystemen. Unter anderem hatte er VMS
entwickelt.
So bekam auch
NT ähnlich wie VMS eine
32-bit-Kernel-Architektur, um die herum ein
16-bit-Teilsystem zur Kompatibilität zu
Windows 3.11 geschaffen wurde, und als
Hauptschnittstelle ein 32-bit-Subsystem für die
Schnittstelle WIN32S (Windows for Workgroups:
WfW 3.11 und Windows 95). Für UNIX-Software
wurde das POSIX-Subsystem eingeführt. Alle
Subsysteme waren von David Cutler so konzipiert,
dass keines das jeweils andere zum Absturz
bringen konnte, da sie in geschützten
(getrennten) Speichersystemen (engl.:
Protected Mode) liefen. Der Kernel verteilte
als echtes preämptives System die CPU-Zeit im
Zeitscheibenverfahren an die jeweiligen
Subsysteme. Es brachte als Multitasking- und
Multiusersystem zwar eine bis dahin bei PCs
nicht bekannte Komplexität mit, belohnte den
Anwender aber mit bis dato im Heim-Bereich
unbekannter Stabilität und Möglichkeiten.
Für die
Architektur der Speicherverwaltung konnte Rick
Rashid gewonnen werden, der unter anderem den
UNIX MACH-Kernel mit entwickelt hatte. Zwischen
der Hardwareebene und den Subsystemen wurde die
HAL eingeführt. HAL war zum einen
eine neutrale Zwischenschicht zu verschiedenen
Hardwareplattformen, da anfangs auch MIPS- und
PowerPC (PPC)-CPUs
ebenfalls neben den Intel-Prozessoren
unterstützt wurden. Zum anderen war die Wahl des
Namens "HAL" auch ein Tribut an den
(angeblich unfehlbaren) Supercomputer "HAL
Serie-9000" aus dem Sciencefiction-Klassiker
"2001-Odysse im Weltraum". (Bei Microsoft ein
nicht unübliches Verfahren: So ist z.B. der
kleinste Auflösungsschritt einer MS-Maus ein
"Micky" - ein Tribut an "Micky Maus") Zum
Installieren benötigte man noch 21 Disketten (!)
oder drei Bootdisketten plus eine CD-ROM.
Konsequent
wurden mit NT so genannte Alte Zöpfe
abgeschnitten, also Kompatibilität nach unten
beendet, was zu einem Aufschrei bei vielen
Anwendern führte. Auch die (damals) hohen
Hardwareanforderungen waren ein Kritikpunkt. Auf
DOS-Kompatibilität wurde so weit
verzichtet, als das DOS nicht mehr wie bis zu
dahin als Grundlage diente, sondern es war als
16-bit-Teilsystem nun unter der Kontrolle des
Microkernel. Es konnte nicht mehr wie früher
direkt, also "hardwarenahe" programmiert werden,
weshalb NT lange Zeit in manchen Spezialgebieten
nicht verwendbar war. NT basierte technisch also
weder auf MS-DOS noch auf OS/2,
stellte aber zunächst noch deren
Programmierschnittstellen zusätzlich zur
Verfügung.
Während NT3.1
noch sehr träge wirkte, konnte mit seinem
Nachfolger NT 3.51 dieser Punkt ausgemerzt
werden: Es war schnell und extrem stabil. Die
Grafische Oberfläche war als weiteres Subsystem
unter der Kontrolle des Microkernels und konnte
somit den PC nicht zum Absturz bringen. Ein
blockierter Grafiktreiber konnte "remote", d.h.
von einem anderen PC wieder neu gestartet
werden. Die gesamte Architektur und viele
Dienste der Serverversion waren in der
Workstation-Version schon enthalten. Kleine
Peer-to-Peer-Netzwerke konnten so einfach und
sicher aufgebaut werden. In der Philosophie von
Microsoft sollte NT als „Entwicklungsplattform“
dienen, und das preiswertere Windows 95 sollte
die „Endkunden“-Plattform werden. Dazu wurde für
NT 3.51 eine nachträglich ladbare grafische
Benutzeroberfläche angeboten. Diese war dann der
Ausblick auf NT 4.0. Die CAD-Kunden misstrauten
jedoch dieser Konstellation und wählte dann das
wesentlich teurere NT als Plattform, mit der
Begründung, dass erfahrungsgemäß die Software am
stabilsten auf der Plattform laufe, auf der sie
auch entwickelt und debugged, also fehlerfrei
gemacht wurde.
Um für den
CAD-Markt eine ernst zu nehmende Größe zu
werden, implementierte Microsoft OpenGL,
angelehnt an die von Silicon Graphics
geschaffene 3D-Schnittstelle Irix GL. Mit
Fortschritten der Hardware konnte man an NT 4.0
mittels bootfähiger CDs die drei Bootdisketten
überspringen und direkt mit einer CD booten, was
die Installation deutlich vereinfachte.
Microsoft
versuchte in der Folge, Windows NT im Markt
gegen Unix und OS/2 zu platzieren, was auch in
vielen Bereichen durchaus sehr erfolgreich
gelang. Insbesondere der Markt der Workstations
und Server sollte IBM mit seinem damaligen
AIX-Unix abgerungen werden. Als Ende 1999 NT
5.0 in die Beta-Phase ging, entschloss sich die
Marketing-Abteilung von Microsoft kurzfristig
zur Umbenennung auf den Namen „Windows 2000“.
Es war nichts anderes als NT 5.0, und jeder
Windows 2000 Anwender kann dies leicht
selber feststellen, wenn er unter „Ausführen“
den Befehl „winver“ eingibt. Der Markt jedoch
war besonders in Europa verunsichert und traute
dem „neuen“ Produkt nicht und blieb relativ
lange auf NT 4.0 stehen. Windows 2000
wurde in zwei Versionen angeboten: für die
Workstation die Windows 2000 Professional
und für den Server die Windows 2000 Server.
Mit „Windows XP“ wiederholte dann
Microsoft 2001 dieses Prozedere erneut, obwohl
es intern „Windows NT 5.1“ hieß. Auch hier war
besonders in der Geschäftskundschaft lange eine
gewisse Zurückhaltung zu spüren: Man war
skeptisch über das „neue“ Produkt, da anhand der
Namensgebung den Laien (und auch oft die meist
EDV-unerfahrene Geschäftsleitung) nicht sofort
und augenfällig die Abstammung und Kontinuität
zu NT4.0 erkannt werden konnte.
Unter
Windows NT 4.0 wurde die Unterstützung von
OS/2, 16-Bit-, textbasierten Programmen
beibehalten. Unter Windows XP (also: NT
5.1) wurde POSIX und OS/2 gar
nicht mehr angeboten, zumal diese beide
Subsystem auch die XP-Sicherheitssysteme nicht
nutzen konnten. Ebenso wurde die Unterstützung
von MIPS- und PowerPC-Prozessoren
eingestellt. Auch wurde auf Initiative von Bill
Gates das getrennte grafische Subsystem von NT
3.51 herausgenommen und eine Ebene tiefer und
somit näher am Kernel (und somit näher der CPU
positioniert. Das brachte mit Blick auf die
Entwicklung von Computerspielen zwar mehr
Geschwindigkeit, aber andererseits die Gefahr
von Stabilitätsverlust. Ein instabiler
Grafiktreiber konnte nun das System abstürzen
lassen. Um dies zu verhindern, führte Microsoft
eine Zertifizierung der Treibersoftware ein.
Treiber, die den strengen Microsoft-Standards
entsprachen, bekamen somit den Status „WHQL-getestet".
Ende 2001
erschien mit Windows XP (intern: NT 5.1)
in den Varianten "XP Home" (für den
Privatanwender) und "XP Professional" (für den
Geschäftsanwender). XP Home unterschied
sich von Windows XP Professional in
erster Linie durch ein abgespecktes
Rechtemanagement und eingeschränkten
Netzwerkdienste für den Privatanwender zu Hause.
Windows XP gilt unter den Anwendern nach
anfänglichem Misstrauen heute als extrem
stabiles und auch schnelles Betriebssystem. Es
soll noch laut Microsoft bis 2014 weiter
sicherheitstechnisch unterstützt werden, obwohl
der Vertrieb von 2008 beginnend stufenweise
eingestellt wurde. Neue PCs und Laptops werden
nur noch mit Windows Vista verkauft. Nur noch
Nischenprodukte mit geringen
Hardwareanforderungen werden noch (Stand: Juli
2008) mit Windows XP (Mediacenter) angeboten.
Während bis
Windows 2000 (intern: NT 5.0) Server und
Client die gleiche Versionsnummer trugen,
wählten die Microsoft-Strategen ab Windows XP
(intern: NT 5.1) beim Server einen neuen Namen:
Windows 2003 Server (intern: NT 5.2). Mit
der Einführung in 2007 von Windows Vista
(intern: NT 6.0) wurde der dazu passende Server
Windows Server 2008 genannt. Ein nur für
IT-Spezialisten nachvollziehbare, etwas
undurchschaubare Namensgebung. Der
durchschnittliche Geschäftsmann konnte sich nur
noch auf den Rat des IT-Fachmannes verlassen, da
die Kompatibilität nicht sofort anhand der
Namensgebung erkennbar ist.
Der mögliche
Nachfolger von Windows Vista soll der
allgemeinen EDV-Literatur nach dann die
offizielle Versionsnummer 7.0 tragen, was auch
dem Nicht-Fachmann dann wieder die umfangreiche
NT-Familie mit ihrem Stammbaum erkennen lassen
soll:
- NT 3.1
- NT 3.5
- NT 3.51
- NT 4.0
- NT 5.0
(Windows 2000, Professional + Server)
- NT 5.1
(Windows XP, Home und Professional)
- NT 5.2
(Windows 2003 Server)
- NT 6.0
(Windows Vista, Windows 2008 Server)
Marktstrategische
Verzögerung der Innovationen von Intel
Da Windows mit
den Audio- und Video-Fähigkeiten der
x86-Prozessoren des PC nicht Schritt gehalten
hatte, plante Intel kurz vor der Markteinführung
von Windows 95, anderen Hard- und
Softwareherstellern dazu eigene
Treiberschnittstellen und so genannte APIs
anzubieten, um so in das sich bereits
ankündigende Multimedia-Geschäft einzusteigen.
Da diese Software auch für andere
Betriebssysteme bereitgestellt werden sollte und
auch das von Microsoft bereits abgeschriebene
Windows 3.1 aufwerten würde, drohte Microsoft
Mitte 1995 in Verhandlungen mit Intel offen, die
Unterstützung der Intel-Plattform nur dann
fortzusetzen, wenn diese Entwicklungen
eingestellt würden. Intel lenkte ein. Selbst das
Jahre später entwickelte Windows 98 war noch
nicht mit allen Fähigkeiten ausgestattet, die
Intel 1995 hatte bereitstellen wollen. Inwieweit
strategische Maßnahmen dieser Art als
wettbewerbswidrig anzusehen sind, ist unter
Ökonomen jedoch umstritten.
Unterlaufen von
Softwarestandards
1996 erwarb
Microsoft eine Lizenz für Java, einer
plattformunabhängigen Programmiersprache des
Unternehmens Sun Microsystems, und entwickelte
dafür eine eigene Entwicklungsumgebung.
Dabei entstand
jedoch eine proprietäre Java-Variante, die
partiell direkt auf Windows zugriff anstatt über
die betriebssystemunabhängige Java Virtual
Machine, wie es das Java-Konzept vorgesehen
hatte. Auf diese Weise produzierten viele
Entwickler von Anwendungssoftware Produkte, die
nur unter Windows lauffähig waren. Nach einer
rechtlichen Auseinandersetzung mit Sun im Jahr
2003 unterstützte Microsoft bis 2007 die MSJVM
(Microsoft Java Virtual Machine) nur noch
sporadisch in Form von
Sicherheits-Aktualisierungen. Entsprechend wird
heute fast überall wieder Suns Java verwendet,
die meisten professionellen Applets sind heute
damit kompatibel.
Diese Politik
der Übernahme von Softwarestandards und
anschließender Modifikation mit dem Ziel, die
Anwender durch Inkompatibilitäten an die eigenen
Produkte zu binden, verfolgte Microsoft in
weiteren zahlreichen Fällen. Betroffen sind der
WWW-Standard HTML für Internetseiten und CSS.
Die meisten Web-Designer orientieren sich an der
speziellen Darstellungsweise des Internet
Explorers mit der Folge, dass viele
Internetseiten von den Browsern der Konkurrenz,
die sich an den offiziellen Standards
orientieren, nicht korrekt dargestellt werden.
Betroffen sind ferner die Zeichensatznorm
ISO-8859-1, JScript, ECMAScript und DOM, die
TCPA-Norm sowie verschiedene Netzwerkprotokolle.
Ebenso wurde
als Konkurrenz zum MP3-Format das eigene
WMA-Format entwickelt, um nicht das etablierte
MP3 zu unterstützen. Auch bei den
E-Mail-Produkten von Microsoft wird mit eigenen
Erweiterungen und kleinen Abweichungen von
internationalen Standards gearbeitet.
Antitrust-Klage und
drohende Spaltung
Aufgrund dieser
Entwicklungen reichten das Justizministerium und
19 Bundesstaaten im Mai 1998 die förmliche
Antitrust-Klage ein, deren Kern der
Browser-Krieg und der Umgang mit Java war. Für
Netscape, das seinen Navigator zu einer
betriebssystemunabhängigen Basis für eine eigene
Office-Variante ausbauen wollte, kam das
Kartellverfahren jedoch zu spät. Es wurde im
Oktober 1998 von AOL übernommen. Anhand eines
Memos von 1996 aus dem beschlagnahmten internen
Schriftverkehr gelang der Nachweis, dass
Microsoft im Falle Java den Anteil inkompatibler
Komponenten gezielt stillschweigend erhöht
hatte, damit die Entwickler nicht bemerkten,
dass sie windowsgebundene Java-Applikationen
schrieben. Das Urteil in erster Instanz vom Juni
2000 forderte eine Aufteilung Microsofts in zwei
separate Unternehmen für Betriebssysteme und
Anwendungssoftware. Als 2001 George W. Bush
US-amerikanischer Präsident wurde, dessen
Wahlkampfagentur Century Strategies eng mit
Microsoft verknüpft ist, wurde Charles James zum
neuen Chef des Kartellamtes ernannt, der bereits
vor Amtseintritt für die Erhaltung Microsofts
als Einheit plädiert hatte. In der
Berufungsverhandlung wurden die
Kartellrechtsverletzungen und illegalen
Geschäftspraktiken zwar bestätigt, das Urteil
hinsichtlich der Aufteilung von Microsoft jedoch
aufgehoben.
Microsoft
setzte auch in der Folge die Politik der
Produktbündelung fort, wie im Fall des in
Windows XP integrierten Media-Players.
Neues Betriebssystem
und Führungswechsel
Am 22. Juli
2004 hat Microsoft bekanntgegeben, dass es nach
der nun erfolgten Beilegung von wesentlichen
Rechtsstreitigkeiten beabsichtige, die hohen
Barreserven, die aufgrund der Rechtsunsicherheit
akkumuliert worden waren, aufzulösen. Im
Dezember 2004 zahlte Microsoft eine
Sonderdividende in Höhe von 3,00 US-Dollar je
Anteilsschein. Die Gesamtausschüttungssumme
belief sich inklusive der Quartalsdividende auf
34,4 Milliarden Dollar und stellt damit die
höchste jemals von einem Unternehmen gezahlte
Dividende überhaupt dar. Zusätzlich ist geplant,
in den kommenden Jahren Aktien des Unternehmens
im Wert von ca. 30 Mrd. Dollar jährlich
zurückzukaufen. Trotzdem beliefen sich die
liquiden Mittel Microsofts zum 1. April 2005
noch auf 37,6 Milliarden Dollar.
Am 22. Februar
2005 sank die Microsoft-Aktie im Frankfurter
Handel auf unter 19,20 Euro und erreichte somit
ein Fünf-Jahres-Tief.
Die
Tochtergesellschaft Microsoft Deutschland GmbH
wurde vom Wirtschaftsmagazin Capital in der
Kategorie 500 bis 5000 Mitarbeiter als
„Deutschlands bester Arbeitgeber 2005“ benannt
und vom ehemaligen Bundeswirtschaftsminister
Wolfgang Clement (SPD) ausgezeichnet. Der
damalige Microsoft-Geschäftsführer Jürgen
Gallmann bezeichnete diese Ehrung als „erneuten
großen Vertrauensbeweis, den die Mitarbeiter
ihrem Unternehmen gegenüber abgegeben haben.“
Das Software-Unternehmen mit Sitz in
Unterschleißheim bei München beschäftigt rund
1850 Mitarbeiter und hat diese Auszeichnung nach
2003 und 2004 zum dritten Mal in Folge erhalten.
Microsoft hat
sich bei der Wahl für sein erstes Forschungs-
und Innovationszentrum in Deutschland, der
European Microsoft Innovation Center GmbH (EMIC),
für den Standort Aachen entschieden. Die
nordrhein-westfälische Universitätsstadt setzte
sich im nationalen Wettbewerb gegen die
Mitbewerber aus München und Berlin durch, wobei
Nordrhein-Westfalen als Forschungsland und
besonders die Nähe zur und
Kooperationsmöglichkeit mit der RWTH Aachen den
Ausschlag gaben.
Windows XP
Edition N, eine Version ohne Media-Player, wurde
im Juli 2005 auf den Markt gebracht.
Im Juli 2005
startete Microsoft die Beta-1-Phase für das
Betriebssystem Windows Vista (Codename: Longhorn).
Im September darauf wurde das CTP-Programm
gestartet. Es sollte jeden Monat eine neue
Version einem Kreis von Beta-Testern zur
Verfügung stellen. Damit weicht Microsoft vom
bisher verwendeten Schema von Beta-Versionen ab.
Die Beta 2 (Juni 2006) und der RC1 (September
2006) waren Versionen, die von allen
Interessierten kostenfrei getestet werden
sollten.
Im Oktober 2005
stellt Microsoft fünf „freie“ Software-Lizenzen
im Rahmen des Shared-Source-Programms vor. Zwei
von ihnen, die Microsoft Permissive License
(Ms-PL) und die Microsoft Community License
(Ms-CL), erfüllen laut Aussage der Free Software
Foundation Europe die Kriterien, die freie
Software-Lizenzen erfüllen müssen. Nachdem diese
zwei Lizenzen in Microsoft Public License und
Microsoft Reciprocal License umbenannt wurden,
sind sie am 12. Oktober 2007 von der Open Source
Initiative anerkannt worden.
Außerdem
veröffentlichte Microsoft sogenannte
Express-Versionen von einigen
Visual-Studio-Anwendungen (C#, C++, Basic, Web
Developer). Ursprünglich sollten diese Versionen
nur für ein Jahr kostenlos von Microsoft
heruntergeladen werden können. Allerdings
beschloss Microsoft wegen der großen
Community, dass sie dauerhaft kostenlos
bleiben sollen. Sie müssen zwar nach 30 Tagen
registriert werden, können aber unbegrenzt
kostenlos genutzt werden. Neben ein paar kleinen
Einschränkungen sind diese fast Vollversionen.
„Kleine Einschränkungen“ bedeutet z.B. konkret,
dass sich mit Visual C++ zunächst keine
grafischen Windows-Programme schreiben lassen;
dies ist erst nach Herunterladen eines größeren,
aber kostenlosen, Zusatzpakets (des SDK von
Microsoft) möglich. Dann können zwar noch immer
keine MFC-Programme entwickelt werden,
allerdings sind Programme mit grafischer
Benutzeroberfläche auch ohne die Verwendung des
.net-Frameworks möglich.
Am 15. Juni
2006 kündigte Gates an, sich bis zum Juli 2008
aus dem Tagesgeschäft von Microsoft
zurückzuziehen und den Posten als Chief Software
Architect dem bisherigen Technikchef Ray Ozzie
zu überlassen.
Am 3. November
2006 wurde eine Zusammenarbeit mit Novell
vereinbart.
Im Mai 2007
übernahm Microsoft das Online-Werbe-Unternehmen
Aquantive. Dafür wurden rund sechs Milliarden
Dollar bezahlt. Im Oktober 2007 erwarb Microsoft
weiterhin für 240 Millionen Dollar einen
Minderheitsanteil am Social Network Facebook,
womit gleichzeitig eine exklusive Abmachung für
die internationale Werbevermarktung von Facebook
durch Microsoft verbunden war.
Anfang 2008
drangen Informationen über ein von Microsoft
entwickeltes System zum Erfassen der
Körperfunktionen von Benutzern an die
Öffentlichkeit (US-Patentantrag 20070300174),
das Kritik von Datenschützern auf sich zog.
Nachdem
Microsoft bereits im Mai 2007 erfolglos versucht
hatte, das Internetunternehmen Yahoo zu
übernehmen, startete der Softwareriese im
Februar 2008 einen neuen Versuch und bot 44,6
Milliarden Dollar. Auch dieses Angebot lehnte
Yahoo ab, worauf Microsoft Anfang April 2008
eine dreiwöchige Frist zur Einigung stellte.
Diese Frist lief am 27. April 2008 ab, und es
bleibt abzuwarten, ob Microsoft darauf mit der
angedrohten feindlichen Übernahme des
Yahoo-Konzerns reagieren wird.
Mitte 2008
gelangten über die IT-Presse Gerüchte an die
Öffentlichkeit, nach denen das Unternehmen an
einem neuartigen, internetzentrierten
Betriebssystem arbeite, das in der Zukunft
Windows ablösen könnte und unter dem Codenamen
Midori entwickelt werde. Microsoft hat
die Existenz des Projektes bestätigt. Laut dem
Microsoft-Experten Paul Thurott handelt es sich
jedoch um ein Forschungsprojekt, vergleichbar
mit dem Minimal-Betriebssystem Singularity,
dessen Ergebnisse in die Entwicklung zukünftiger
Software des Unternehmens einfließen sollen.
Midori soll dabei auf Singularity aufbauen.