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paketorientiert
paketorientiert:Eine alternative
Netzwerktopologie schlug Paul Baran (1964) von der RAND Corporation
vor. Mit seinem Vorschlag versuchte Baran, der Sorge der US Air
Force um die Überlebensfähigkeit ihrer Kommandostruktur im Falle
eines sowjetischen Nuklearangriffs Rechnung zu tragen. An Stelle des
konventionellen Sterns sah Baran ein "distributed network" vor, bei
dem spinnwebförmig eine Vielzahl von Verbindungen zwischen den in
das Netzwerk eingebundenen Rechnern vorgesehen war. Durch den
Wegfall eines Zentralrechners sollte das Datenaufkommen im Netzwerk
gleichmäßig auf die einzelnen Leitungen aufgeteilt werden. Da viele
Leitungen redundant sind, gibt es in einem verteilten Netzwerk stets
mehrere Wege von einem Start- zu einem Zielrechner. Ein Totalausfall
des Netzes kann deshalb erst auftreten, wenn jeder einzelne mögliche
Pfad ausfällt. Damit ist eine sehr viel höhere Zuverlässigkeit als
bei einem Telefonnetz mit festen Leitungsverbindungen erreichbar.
Den militärischen Auftraggebern wurde das verteilte Netzwerk mit dem
Argument schmackhaft gemacht, es könne seine Funktion sogar bei dem
im Falle eines Krieges befürchteten Ausfall großer Teile des
Gesamtnetzes aufrechterhalten. Obwohl die Air Force von Barans Idee
begeistert war, wurde das Netz in seiner geplanten Form nicht
realisiert, weil das Verteidigungsministerium auf einem Gesamtnetz
für alle Streitkräfte bestand. Barans Vorschläge flossen aber in die
späteren Überlegungen anderer Netzwerkentwickler ein. Als
einflussreich erwies sich dabei vor allem die Idee des "packet
switching".
Anstatt für die Übertragung einer Nachricht eine feste Leitung wie
beim Telefonieren einzurichten, hielt Baran für sein Netzwerk das
Aufspalten der Nachrichten in viele kleine Pakete für die geeignete
Übertragungsmethode. Seine Überlegung war, auf diese Weise das
Datenaufkommen im Netzwerk besser zu verteilen. Für jedes einzelne
Paket würde in Analogie zum Versand konventioneller Postpakete
individuell bestimmt werden, welches der gerade jeweils günstigste
Weg zum Bestimmungsort ist. Wenn eine Leitung verstopft ist oder
ausfällt, nimmt das Paket einfach einen anderen Weg. Falls ein Paket
verloren geht, wird nur das verloren gegangene Paket erneut
verschickt, nicht aber die ganze Nachricht. Auf dem Zielrechner kann
nach Eintreffen aller Pakete die ursprüngliche Nachricht wieder
zusammengesetzt werden, wobei es gleichgültig ist, ob die Pakete in
der richtigen Reihenfolge an ihrem Bestimmungsort ankommen oder
nicht. Da jedes Datenpaket und jeder Rechner im Netz "weiß", wie und
wohin die Informationen weiterzusenden sind, ist eine zentrale
Steuereinheit nicht erforderlich. Die verschickten Datenpakete sind
prinzipiell in der Lage, beliebige Inhalte aufzunehmen:
Computerprogramme und -daten, digitalisierte Stimmen, Töne, Texte,
hochauflösende Grafiken oder bewegte Bilder.
Viele Skeptiker zweifelten zunächst am Sinn des "packet switching".
Der nicht unerhebliche zusätzliche Aufwand, alle einzelnen Pakete
mit dem Zielort zu beschriften und an jedem Knotenpunkt im Netzwerk
neu zu bestimmen, wohin ein Paket am besten weitergeleitet wird,
schien das System unnötig komplex und störanfällig zu machen.
Fraglich schien weiter, ob die Speicherkapazität der Zielrechner
immer ausreichen würde, um die einzelnen Teile mehrerer Nachrichten
bis zum Eintreffen des letzten Paketes aufzunehmen. Besonders
Telefontechniker bezweifelten, dass das Eintreffen jedes einzelnen
Paketes auf dem Zielrechner gewährleistet werden könne, wenn der
gewählte Weg für jedes Paket neu bestimmt wird.
Die Societe Internationale de Telecommunications Aeronautiques
(SITA) entschloss sich 1965 dennoch, Barans Vorschlag aufzugreifen
und erstmals das Prinzip des "packet switching" für die
Kommunikation der ihr angeschlossenen 175 Fluggesellschaften
einzusetzen (Hirsch, 1974). Neun Knotenpunkte - Amsterdam, Brüssel,
Frankfurt, Hong Kong, London, Madrid, New York, Paris und Rom -
wurden mit fest gemieteten Telefonleitungen untereinander verbunden.
Alle Nachrichten wurden zum jeweils nächstgelegenen Netzknoten
weitergeleitet, bis der Zielflughafen erreicht war. Das SITA-Netz
war ein voller Erfolg. Bereits im Jahr 1973 überstieg das
Datenvolumen des Systems das des gesamten internationalen
Telegraphieverkehrs. Ein weiteres paketorientiertes Netz wurde 1965
im National Physical Laboratory in England aufgebaut. Es blieb
jedoch in einem experimentellen Stadium, weil aus Kostengründen der
ursprüngliche Plan einer landesweiten Vernetzung nicht realisiert
werden konnte (Abbate, 1994).
Ein Jahr später nahm IPTO die Idee in Angriff, nach Barans Plänen
die über das ganze Land verstreuten ARPA-Computerzentren miteinander
zu vernetzen. Unter Zugrundelegung der "packet
switching"-Technologie plante man eine landesweite, verteilte
Topologie. Durch effiziente Routing-Algorithmen sollte die rasche
und effiziente Verschickung der anfallenden Datenpakete
gewährleistet werden.
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