Bus-Ethernet:
10 oder 100 M/Bit:
Ethernet wurde ab 1972 am Palo Alto R esearch Centerder
Firma Xerox entwickelt. Es sollte zunächst ein LAN mit einer Ausdehnung von
maximal 1 km in Koaxialverkabelung versorgen können. 1976 wurde es der
Öffentlichkeit vorgestellt und 1981 vom IEEE unter der Nummer 802.3
standardisiert. Damit war der Weg frei für die Etablierung als
Industriestandard. Xerox tat sich mit Intel und DEC zusammen, um das System
weiter voranzubringen. Lizenzen an andere Hersteller wurden beinahe kostenlos
vergeben, so dass sehr schnell eine große Menge an PC‑Karten und sonstiger
Vernetzungstechnik für Ethernet von zahlreichen Herstellern auf den Markt kamen.
Diese Vielfalt führte zu einer sehr sauberen Implementierung des Standards, da
sich kein Hersteller leisten konnte, dass seine Komponenten mit denen anderer
Hersteller Probleme machen.
Im Laufe der Zeit wurden einige Ergänzungen des
Ethernet‑Standards eingeführt, insbesondere was Verkabelung und Geschwindigkeit
angeht. Diese Ergänzungen werden durch ein einheitliches Namensschema
gekennzeichnet: Zuerst kommt die Bandbreite in Mbit/s, dann das Wort "Base"
(steht für Basisbandübertragung. Es gab auch Überlegungen für eine breitbandige
Übertragung, die durch "Broad" gekennzeichnet wurde, sich aber nicht durchsetzen
konnte.) und anschließend die Maximallänge in 100m bei Koaxverkabelung bzw. ein
Buchstabenkürzel, das die Verkabelungsart angibt. Das ursprüngliche Ethernet,
später als "Thickwire" bezeichnet, heißt nach diesem Schema "lOBase5". Es hat
heute keine Bedeutung mehr.
Mit einem dünneren und damit billigeren Koaxialkabel gab es
dann das "Cheapemet" oder "Thinwire" genannte 10 Base2. Es erreichte sehr große
Verbreitung und ist bis heute noch recht häufig anzutreffen, allerdings mit
stark rückläufiger Tendenz.
Heute wird fast ausschließlich eine strukturierte
Verkabelung mit zwei bzw. vier verdrillten Leitungspaaren (UTP ‑ Kabel)
verwendet, die es zunächst nur als 10 BaseT gab. Mittlerweile beherrschen die
meisten Netzwerkkarten zusätzlich 1 00BaseT, meist als "Fast Ethernet"
bezeichnet.
Ethernet über Koaxialkabel:
Typ
RG - 58
Leitungswiderstand
50 Ohm
maximale Länge
185 m (200) zwischen den Knotenpunkten
Anschlüsse
BNC
Topologie
Bus
Maximalzahl Endgeräte
30
Knotenpunkte
5
Die
Bustopologie erfordert eine durchgehende Leitung, an die die Endgeräte per
Abzweigung angeschlossen werden. Technisch realisiert wird dies normalerweise
durch Koaxialkabel mit BNC Steckern an beiden Enden, die jeweils zwei Endgeräte
miteinander verbinden. Dort befindet sich je ein T-Stück, das die Abzweigung
zur Netzwerkkarte des Endgeräts vornimmt. Das T‑Stück hat dann noch ein offenes
"Ärmchen", an dem ein Kabel zum nächsten Endgerät angeschlossen werden kann.
Der Leitungswiderstand ist der Ersatzwiderstand einer
Leitung bei Impulsübertragung. Er ist unabhängig von der Leitungslänge.
Allerdings reflektiert das offene oder kurzgeschlossene Ende einer Leitung einen
ankommenden Impuls ‑ bei offener Leitung mit gleicher Amplitude und gleichem
Vorzeichen, bei kurzgeschlossener Leitung mit umgekehrtem Vorzeichen. Dies kann
man verhindern, indem man die beiden Pole der Leitung am Ende mit einem normalen
Widerstand in Höhe des Leitungswiderstandes verbindet. In der Computertechnik
wird so ein Widerstand als "Terminator" bezeichnet. Terminatoren gibt es nicht
nur in der Netzwerktechnik, sondern auch bei anderen Bussystemen, z.B. bei SCSI.
Bei der Koaxialvernetzung im Ethernet sind die Terminatoren als BNC – Stecker
relisiert, die direkt auf ein Armchen eines T – Stücks aufgesteckt werden
können.
Für
eine Verlegung in der Wand sind die Koaxkabel nicht gut geeignet, weil an jedem
Endgerät zwei Kabel aus der Wand kommen und zum T‑Stück geführt werden müssen.
Abhilfe dafür schafft ein System, das "EAD" genannt wird. Die Koaxialkabel
verbleiben dabei mitsamt T‑Stück in der Wand. Dort sitzt eine Buchse, die einer
TAE‑Dose zum Telefonanschluss stark ähnelt. Daran angeschlossen wird ein
Stichkabel, an dessen anderem Ende ein BNC‑Stecker sitzt, der dann direkt am
Endgerät (d.h. ohne TStück und Terminator) angeschlossen wird. Leider sind
EAD‑Verkabelungen sehr störanfällig.
Ohne
Leitungsanpassung darf an einem Bus keine Abzweigung gemacht werden, auch wenn
die TStücke so etwas mechanisch zulassen. Da ein einfaches Koaxialnetz mit 185
in und 30 Endgeräten für viele Anwendungen nicht ausreicht, können mehrere
solcher Netze, Segmente genannt, über Repeater zusammengeschaltet werden. Ein
Repeater ist ein Zwischenverstärker, der im einfachsten Fall aus einem
Stromanschluss und zwei BNC ‑ Buchsen besteht. Repeater mit mehreren Anschlüssen
(MultiportRepeater) ermöglichen eine sternförmige Anordnung mehrerer Segmente.
Die
maximale Netzausdehnung beträgt 925 in, das entspricht der Gesamtlänge von 5
über Repeater hintereinandergehängten Segmenten maximaler Länge. Dies findet
sich auch in einer Faustregel zum Design von Koaxnetzen wieder, der 5‑4‑3‑Regel:
Es sind maximal 5 Segmente erlaubt, die über 4 Repeater verbunden sind. Davon
dürfen nur drei Segmente Endgeräte enthalten, die beiden übrigen dürfen nur der
Verlängerung des Busses dienen.
Durch den zusammenhängenden Bus und die Notwendigkeit der
Terminierung ist die Koaxialverkabelung sehr störanfällig. Eine Trennung an
einer Stelle, ein Kabelbruch oder Kurzschluss oder sogar eine defekte
Netzwerkkarte führen zum Ausfall des gesamten Netzes. Das gilt auch für andere
Segmente, die über Repeater angeschlossen sind. Repeater geben über
Kollisionslampen zumindest Aufschluss darüber, in welchem Segment der Fehler zu
suchen ist.
Ethernet über Twisted Pair Kabel:
Mittlerweile wird Ethernet fast ausschließlich mit Twisted – Pair ‑ Kabeln
aufgebaut. Diese gibt es als UTPKabel (unshielded twisted pair), die vier
verdrillte Adempaare ohne Schirmung enthalten und für gewöhnlich zum Anschluss
von Endgeräten verwendet werden. In der Wand verwendet man normalerweise
mindestens S/TJTP‑Kabel (screened / unshielded twisted pair), bei denen die
Adempaare gemeinsam von einer Schirmung umhüllt sind oder S/STP‑Kabel, die
zusätzlich jedes Adempaar extra mit einer Schirmung versehen. Je besser die
Schirmung ausfällt, desto steifer und dicker und damit schwerer zu verlegen ist
das Kabel.
Typ
UTP (Unshieled Twisted Pair) Kat5
maximale Länge
100 m
Anschlüsse
RJ 45 - Stecker
Topologie
Stern
Maximalzahl Endgeräte
2 pro Kabel, 1024 pro Segment
Die
Beschränkung auf zwei Endgeräte führt dazu, dass jedes Endgerät direkt mit einem
Multiportrepeater verbunden ist. Man bezeichnet diese bei Twisted – Pair ‑
Verkabelung als Hubs. Hubs können wiederum über sogenannte Uplink ‑ Leitungen
miteinander verbunden werden. Das gesamte Netz erhält dadurch die Form eines
Mehrfach ‑ Sterns. Viele Hubs haben zudem noch einen BNC ‑ Anschluss und können
so ein koaxial‑verkabeltes Segment anbinden. Früher hat man auf diese Art
oftmals das Kernnetz einer Firma, d.h. die Verbindung der Hubs untereinander,
mit Koaxialkabeln realisiert und die Endgeräte über UTP - Kabel angeschlossen.
Uplink: Zwei Hubs sind miteinander verbunden
Die
gesamte Netzwerktechnik ist meist in Geräteschränken untergebracht. Diese
enthalten Patchfelder. Das sind Steckleisten, die vom mit RJ‑45‑Buchsen versehen
sind. Jede dieser Buchsen ist 1: 1 über die Hausverkabelung mit je einer RJ‑45
‑Buchse in einer Wanddose irgendwo im Haus verbunden. Im Schrank sind dann auch
die Hubs eingebaut. Um nun eine Wanddose zum Anschluss eines Endgeräts
vorzubereiten, wird im Geräteschrank per Kabel eine 'Verbindung der zugehörigen
Buchse des Patchfeldes mit dem Hub hergestellt. Die dafür verwendeten Kabel,
beidseitig mit RJ‑45‑Steckern versehen, nennt man folglich Patchkabel. Sie sind
ebenfalls 1 : 1 belegt. Das gilt auch für die Anschlusskabel, mit denen man das
Endgerät mit der Wanddose verbindet. Es unterscheidet sich normalerweise nur
durch die größere Länge.
Ethernet über Glasfasern:
Glasfasern sind empfindlicher als Kupferkabel und erfordern eine aufwendigere
Verbindungstechnik. Zusammen mit dem höheren Preis für Medium, Stecker und
Netzwerkkarten ist momentan der Einsatz meist noch auf das Kemnetz einer Firma
beschränkt. Dort zeigen sich Glasfasern allerdings von ihrer besten Seite: Sie
sind für sehr hohe Übertragungsraten geeignet und haben nicht wie
Kupfersteckverbinder mit Alterungsproblemen zu kämpfen.
Für Ethernet gibt es mittlerweile eine Vielzahl
verschiedener Standards für Glasfaserverbindungen, was bei der Auswahl
entsprechender Netzwerkkomponenten berücksichtigt werden muss:
Typ
je 1 Glasfaser pro Richtung
maximale
Länge
5000 m
Anschlüsse
SC - Duplex / MT RJ
Topologie
Stern
Maximalzahl Endgeräte
2 pro Kabel
Multimode ‑ Glasfasern sind relativ dick und mit einem vom Zentrum der Faser zu
ihrem Rand hin abfallenden Brechungsindex ausgestattet. Die zu übertragenden
Signale können mit einer Leuchtdiode eingespeist werden. Dadurch breiten sie
sich nicht geradlinig im Medium aus sondern laufen kreuz und quer, wobei sie
jeweils am Rand reflektiert werden. Da ein Impuls so auf unterschiedlichen Wegen
zum Empfänger gelangt, wird er leicht verformt. Dieses Problem haben Singlemode
‑ Glasfasern (auch Momomode ‑ Glasfasern genannt) nicht. Sie sind so dünn, dass
das Signal nahezu geradlinig durchläuft. Dazu muss es jedoch mit einer
vergleichsweise teuren Laserdiode eingespeist werden.
Ethernet Medienzugriff:
Eine grundsätzliche Frage bei allen Netzwerken befasst sich
mit einem möglichst einfachen und trotzdem effizienten und gerechten Verfahren
des Medienzugriffs. Ethernet ist unabhängig von der Verkabelung logisch gesehen
ein Bussystem, d.h. was eine Station sendet können alle anderen empfangen.
Es gibt nun grundsätzlich zwei Denkansätze, wie man den
Medienzugriff steuern kann:
-
Senderecht:
Zuteilung wer senden darf
-
Senden auf gut
Glück: Erst nachsehen, ob gerade eine andere Station sendet. Wenn nicht,
wird gesendet.
Ethernet funktioniert nach dem zweiten Grundprinzip. Sein Zugriffsverfahren
wurde an der Universität von Hawaii entwickelt und trägt deswegen den Beinamen
"Aloah ‑ Protokoll". Die korrekte Bezeichnung ist CSMA/CD (Carrier Sense
Multiple Access / Collission Detect).
CSMA/CD war ursprünglich für Funkübertragungen gedacht,
daher der Verweis auf ein Trägersignal (Carrier) im Namen. Ethernet überträgt im
Basisband, d.h. ohne Modulation und hat daher keinen Träger. Er wird durch eine
Folge von Bytes am Anfang jedes Datenpakets simuliert, die das Bitmuster " 10 10
10 1 V' enthalten. So kann auf dem Medium der Beginn einer Übertragung bereits
erkannt werden, bevor Nutzdaten kommen.
Ein
sendendes Endgerät prüft laufend, ob die vom Medium empfangenen Daten mit seinen
Sendedaten identisch sind. Wenn nicht, liegt offensichtlich eine Kollision vor.
Die Übertragung wird dann abgebrochen und der Sender wartet eine zufällige
Zeitspanne (zwischen 0 und 51,2ms bei 10 Mbit Ethernet), bis er es erneut
versucht. Kollidiert das Datenpaket dann erneut, wird die Wartezeit aus einem
größeren Zeitintervall (0 ‑ 153,6ms) gewählt und ein weiterer Versuch gestartet.
Beim 15. Wiederholungsversuch ist das Zeitintervall bei 0 ‑ 52377,6ms
angekommen. Schlägt auch dieser Versuch fehl, wird das Paket verworfen und ein
Fehler an die übergeordnete Netzwerkschicht gemeldet.
Ethernet Frames:
Es gibt zwei gebräuchliche Varianten des Ethernet –
Protokolls, deren Pakete sich geringfügig unterscheiden.:
-
Ethernet V2.0
Frame
-
IEEE 802.3
Frame
|
Media Type |
Max. Segment
Länge |
Max. Anzahl von
Transceiver (je Segment) |
Kabeltyp |
Full-Duplex
Support |
| 10Base5 |
500m
(1640ft) |
100 |
50Ohm
"thick coax cable" |
nein |
| 10Base2 |
0,5m (1.6ft)..185m (606.9ft) |
30 |
50Ohm
"thin coax cable" |
nein |
| 10Base-T |
100m
(328ft) |
2 |
2paarig,
Cat. 3/4/5 Twisted-Pair (TP) |
ja |
10Base-FL
FOIRL |
2000m (6561ft)
1000m (3280ft) |
2
2 |
2 MultiMode Lichtwellen-Leiter (MMF) |
ja |
| 10Base-FB |
2000m (6561ft) |
mehrere in
Reihe |
2 MMF |
nein |
| 10Base-FP |
500m (1640ft) |
33 |
2 MMF |
nein |
| 10Broad36 |
3600m |
("CATV") |
75Ohm
Koax-Kabel |
nein |
| 100Base-TX |
100m (328ft) |
2 |
2paarig,
Cat. 5 TP |
ja |
| 100Base-FX |
HDPX:412m (1351.6ft) / FDPX:2152,6m (6561.6ft) |
2 |
2 MMF |
ja |
| 100Base-T4 |
100m (328ft) |
2 |
4paarig,
Cat. 3 TP |
nein |
| 100Base-T2 |
100m (328ft) |
2 |
2paarig,
Cat. 3/4/5TP |
ja |
|
1000Base-SX |
2m (6.5ft)..220m (1351ft) |
2 |
2 MMF |
ja |
|
1000Base-LX |
2m (6.5ft)..5000m (16404ft) |
2 |
2 MMF oder
SingleMode Lichtwellen-Leiter (SMF) |
ja |
|
1000Base-CX |
[~25m] |
[2] |
2paarig,
Shielded Twisted-Pair (STP) |
ja |
| 1000Base-T |
100m (328ft) |
2 |
4paarig,
Cat. 5 TP |
ja |
| AUI
("Transceiver-Cable") |
50m
(164ft)
12,5m (41ft) "Office-grade" |
N/A |
15adrig |
ja |
Anmerkungen: Bei Verwendung hochwertigerer Kabeltypen ist auch
eine größere Reichweite möglich.
Wenn SMF statt MMF verwendet wird kann sich die Reichweite ebenfalls (z.T.
drastisch) erhöhen.
Full-Duplex (FDPX) statt Half-Duplex (HDPX) bewirkt nur bei "nicht-Twisted-Pair"
(Lichtwellen-Leiter) eine eventuelle Reichweiten-Erhöhung.
|
Übertragungsraten |
| |
Theoretisch |
Praktisch |
| Seriell |
115 kBit/s |
10 kByte/s |
| Parallel |
14 MBit/s |
90 kByte/s |
| USB
1.1-Direkt |
12 MBit/s |
400
kByte/s |
| USB 2.0 |
480 MBit/s |
- (???) |
|
FireWire/IEEE 1394 |
400 MBit/s |
12 - 28
MByte/s |
| Ethernet |
10 MBit/s |
600 - 800
kByte/s |
| Fast
Ethernet |
100 MBit/s |
3 - 7
MByte/s |
|
GigaBit-Ethernet |
1000
MBit/s |
30 - 80
MByte/s |
| Wireless
LAN |
11 MBit/s |
300 - 700
kByte/s |