Token Ring ist
zunächst nur ein Zugriffsverfahren, das ebenso wie CSMA/CD in einer IEEE Norm
festgehalten wurde. Bei Token Ring ist dies die IEEE 802.5. Ein populärer
Netzwerkstandard wurde daraus jedoch erst mit der Markteinführung der
Implementierung
der Firma IBM im Jahr 1985. Es war als Hochgeschwindigkeitsnetz mit
Basisbandübertragung für die Bürokommunikation gedacht. Auch IBM versuchte einen
weithin unterstützten, offenen Standard daraus zu machen, dies gelang jedoch nur
in weit bescheidenerem Maße als bei Ethernet.
Somit blieb Token Ring
weitgehend mit der IBM‑Welt verbunden. In den Anfangsjahren der
Arbeitsplatzvernetzung konnte es aufgrund der starken Dominanz von IBM in
mittleren und größeren Firmen sehr gut mit der Ausbreitung von Ethernet
mithalten, mittlerweile geht seine Bedeutung immer mehr zurück.
Dabei sind einige Konzepte
bei Token Ring verblüffend einfach und effizient. Der Medienzugriff erfolgt nach
einem faireren Verfahren als bei Ethernet und lässt auch eine höhere
Gesamtbelastung zu, da es prinzipbedingt zu keinen Kollisionen kommen kann.
Umgekehrt erfordert das Token – Ring ‑ Protokoll eine sehr aufwendige
Verwaltung, wodurch den Netzwerkkarten eine gewisse "Eigenintelligenz"
abverlangt wird. Dadurch und durch die geringeren Stückzahlen sind Token – Ring
‑ Komponenten deutlich teurer als solche für Ethernet.
Token Ring ‑
Übertragungsmedien:
Token Ring arbeitete
ursprünglich mit 113M Typ V‑Kabeln mit einer Datenrate von 4 Mbit/s. Später kam
noch eine Variante mit 16 Mbit/s dazu, die heute überwiegend eingesetzt wird.
Als Kabel kommen mittlerweile überwiegend UTP ‑ Kabel zum Einsatz. Die
Mindestanforderung für 4 Mbit/s sind dabei Cat2, für 16 Mbit/s Cat4.
Typischerweise werden heute jedoch Cat5‑Kabel eingesetzt, die später eine
problemlose Migration z.B. auf Fast Ethernet ermöglichen.
Als Steckverbinder wurden
ursprünglich solche des IBM Cabling System verwendet. Diese sind
hermaphroditisch gestaltet und können damit nicht nur in Wanddosen und Geräte
gesteckt werden, zwei Stecker passen auch zusammen, z.B. um Kabel zu verlängern.
Endgeräte haben eine 9‑polige D‑Sub‑Buchse, da der ICS‑Stecker zu groß wäre.
Mittlerweile werden meist RJ‑45Stecker verwendet, so dass eine Token Ring ‑
Netzwerkkarte äußerlich nicht von einer Ethernet Karte zu unterscheiden ist.
Für Token Ring gibt es auch
die Möglichkeit Glasfasern mit einer Obertragungsrate von 100 Mbit/s
einzusetzen. Das wird z. B. für einen ebenfalls ringförmig ausgelegten Backbone
genutzt, an den über Bridges kleinere Ringe mit 16 Mbit/s angeschlossen sind. Es
gibt allerdings auch einen Standard für Tast Token Ring", das 100 Mbit/s über
Kupferkabel realisiert. "Gigabit Token Ring" ist ebenfalls spezifiziert, wird
sich aber aller Voraussicht nach nicht mehr durchsetzen.
Token Ring hat in weit
geringerem Maß als Ethernet mit Längenbeschränkungen aufgrund der
Signallaufzeiten zu kämpfen. Dadurch kann ein Netz mit Zwischenverstärkern auch
ohne Bridges eine Ausdehnung von mehreren Kilometern erreichen.
Token Ring – Netztopologie:
Ein Token – Ring ‑ Netzwerk
hat die Struktur eines Doppelringes. Die Verbindungen werden gerichtet
betrieben, d.h. die Daten können sich im einen Ring nur im Uhrzeigersinn
bewegen, im anderen entsprechend in Gegenrichtung. Der zweite Ring wird
normalerweise nicht benutzt sondern dient als Backup, wenn der Ring an einer
Stelle unterbrochen wird‑.
Token - Doppelring
In der Praxis wäre die obige
Anordnung kaum realisierbar, da jedes Endgerät mit zwei Nachbarn verbunden sein
müsste und dies mit Leitungen für Hin‑ und Rückrichtung. IBM hat sich deswegen
eine Mischung aus Ring‑ und Sternverkabelung ausgedacht, einen sogenannten "Star
Shaped Ring". Herzstück dieser Topologie sind Ringleitungsverteiler ‑passive
Komponenten, die ansonsten in etwa die Aufgabe von Hubs im Ethernet wahrnehmen:
Ringleitungsverteiler
ermöglichen also den Anschluss von mehreren Endgeräten an den Ring, wobei die
doppelte Auslegung des Rings nur für die Verbindung der Ringleitungsverteiler
untereinander gilt. Dafür steuert jedes Endgerät ein Relais im Ringverteiler,
mit dem es sich in den Ring einklinkt. Ist kein Gerät angeschlossen, das Gerät
abgeschaltet oder das Kabel defekt, wird das Relais nicht angesprochen und
koppelt das Gerät vom Ring ab, schließt den Ring und verbindet die zum Endgerät
führenden Leitungen miteinander. Dadurch kann ein neu angeschlossenes oder
eingeschaltetes Gerät zunächst sich selbst und seine Verbindung zum
Ringleitungsverteiler testen, bevor es die Spannung für das Relais einschaltet
und sich damit in den Ring einbindet.
Durch mehrere im Ring
verschaltete Ringleitungsverteiler entsteht so ein Netz der oben links
abgebildeten Topologie. Fällt eine Verbindung aus, wird der Ring über die zweite
Ringleitung wieder geschlossen (siehe oben rechts).
Bridges ermöglichen die
Kopplung von je zwei Ringen, so dass Strukturen aus zahlreichen
miteinander verbundenen
Ringnetzen entstehen können:
Token Ring – Medienzugriff:
Im Token – Ring ‑ Netz wird
der Medienzugriff über eine spezielle Signalfolge gesteuert, die Token genannt
wird. Das Token wird immer im Kreis herumgereicht, solange keine Daten zu senden
sind. Sobald ein Endgerät senden möchte, wartet es den Empfang des Tokens ab und
sendet dann seine Daten. Das Datenpaket wird auf seinem Weg irgendwann beim
Empfänger vorbeikommen. Dieser setzt in dem Paket ein Statusbit, sendet das
Paket aber ansonsten unverändert weiter. Der ursprüngliche Sender erhält nach
einer kompletten Runde sein eigenes Paket wieder und kann an dem gesetzten
Statusbit sehen, dass das Paket gut angekommen ist. Er nimmt das Paket nun vom
Netz und setzt wieder ein freies Token ein ‑ auch dann, wenn er selbst noch
etwas zu senden hätte. Dadurch haben zuerst alle anderen Stationen die Chance,
ihre Sendedaten loszuwerden. Auf diese Art wird eine faire Verteilung des
Medienzugriffs erreicht.
Falls das Token verloren
geht, steht schlagartig das gesamte Netz. Für solche Fälle gibt es immer einen
Monitor, d.h. ein Endgerät ist für die Überwachung des Tokens zuständig. Wenn
ein neues Gerät ins Netz kommt, fragt es zunächst an, wer der Monitor ist.
Erhält es keine Antwort, erklärt es sich selbst zum Monitor. Nur der Monitor ist
berechtigt, ein neues Token zu generieren, wenn für eine bestimmte Zeit keines
mehr vorbeigekommen ist. Alle anderen Endgeräte werden als "Standby Monitor"
bezeichnet: Der Monitor muss in regelmäßigen Abständen ein bestimmtes Paket als
Lebenszeichen absenden. Bleibt dieses aus, konkurrieren alle Standby Monitore in
einem Auswahlverfahren um die Rolle des neuen Monitors.
Token Ring Paketaufbau:
Das Token ist drei Bytes lang
und folgendermaßen aufgebaut:
Alle drei Bytes sind auch in
einem normalen Datenpaket enthalten, die beiden ersten am Anfang, das dritte am
Ende. Daher haben einige der enthaltenen Bits auch nur bei Datenpaketen eine
Bedeutung:
J und K: Im Token Ring wird
als Leitungscodierung das Manchesterverfahren verwendet, bei dem immer in der
Mitte eines übertragenen Bits ein Pegelsprung vorkommt ‑ bei einer übertragenen
"0" von Hi auf Lo, bei einer 'T' von Lo auf Hi. J und K sind nun bewusste
Verletzungen dieser Regel‑. Bei J wird der letzte Pegel des vorherigen Bits über
die ganze Bitzeit gehalten, bei K wird der vorherige Pegel am Beginn der Bitzeit
gewechselt. Durch diese Verletzung der Codierung kann das Token bereits am
ersten übertragenen Byte sicher erkannt werden.
P und IR: P ist ein
3‑Bit‑Wert (also eine Zahl zwischen 0 und 7), der die Priorität des Datenpakets
angibt. Eine Station darf das Token nur dann einziehen und seine Daten senden,
wenn diese mindestens die hier angegebene Priorität haben. Nach einer
Übertragung hoher Priorität folgt immer mindestens eine mit Priorität Null. Das
wird über die R‑Bits gesteuert. Hier kann ein Endgerät in einem vorbeikommenden
Token oder Datenpaket (auch dort ist das Access Control Byte enthalten) die
Priorität für die nächste "Runde" festlegen. Die hohe Priorität wird also erst
eingesetzt, nachdem das aktuelle Datenpaket vom Ring genommen wurde.
T und M:
Das T‑Bit gibt an, dass es sich bei dem Paket um ein Token
handelt. M ist das
Monitor‑Bit
1: Das Intermediate Bit
besagt bei Datenpaketen, dass es sich um ein Paket aus einer mehrere Pakete
langen Übertragung handelt. Im Token ist es "0".
E:
Das Error‑Bit wird gesetzt, wenn das Paket fehlerhaft ist.
Beim Token ist es immer “0“.
Ein Datenpaket sieht im Token Ring folgendermaßen aus:
Start Delimiter, Access
Control und End Delimiter haben die gleiche Funktion wie im Token.
Frame Control:
Die beiden F‑Bits geben
an, um was für ein Paket es sich handelt‑.
00: Mac‑Paket, d.h. ein
Steuerpaket für das Token – Ring ‑ Protokoll
01.‑ LLC‑Paket, d.h. ein
Paket mit Anwenderdaten
Die vier Z‑Bits enthalten
Informationen, wie das Paket zu puffern ist, die r‑Bits sind für zukünftige
Anwendungen reserviert.
Adressen:
Jedes Gerät im Token Ring hat
eine vom Hersteller festgeschriebene, eindeutige Hardwareadresse. Man kann aber
zudem jedem Gerät eine Adresse zuweisen und es gibt verschiedene
Spezialadressen, z.B. für Broadcasts (Pakete, die alle empfangen sollen) oder
Pakete, die für den Monitor bestimmt sind. Um welchen Adresstyp es sich handelt
geht aus den ersten Bits der Adresse hervor.
Prüfsumme:
FCS (Frame Check Sequence)
genannt, wird über alle zwischen Start und End Delimiter gelegenen Bytes
berechnet.
Frame Status:
A und C sind beim Versand
eines Pakets auf Null gesetzt. Beide Bits sind zur Sicherheit doppelt vorhanden,
da sie nicht von der Prüfsumme erfasst werden. Der Empfänger des Pakets setzt
das A‑Bit, wenn er das Paket als für ihn bestimmt erkannt hat und das C‑Bit,
wenn er das ganze Paket korrekt empfangen hat. Das Paket kommt nach einer Runde
durch den Ring wieder beim Sender an. Dieser kann an den beiden Bits erkennen,
ob das Paket gut angekommen ist. Die r - Bits werden nicht benutzt.
Zusammenfassung Ring - Topologie:
Eigenschaften:
- alle Netzknoten sind zu einem Kreis
zusammengeschlossen
- jeder Knoten leitet die Daten über
repeater weiter Signalverstärkung
- Daten durchlaufen Ring unidirektional
- Ring erfordert eine verteilte Kontrolle des
Netzwerkzugriffes, um Konflikte auf den Ring zu vermeiden
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Vorteile: |
Nachteile: |
- geringe Verkabelungskosten
- Anzahl der Rechner theoretisch
unbegrenzt, da durch Signalregeneration keine Ausdehnungsbeschränkung
besteht
- keine Datenkollisionen
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- Ausfall eines Rechners stört das gesamte
Netzwerk
- die Reaktionszeit kann bei großen Ringen
sehr lang sein
- nicht "abhörsicher"
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Anwendungsgebiet:
- große Netze (strenge Zugangsregelung keine
Datenkollisionen)
Beispiele: